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Neujahrsempfang mit klaren Botschaften

Trotz winterlicher Bedingungen war das Haus des Bürgers beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Dürrheim am vergangenen Freitag gut gefüllt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste von außerhalb folgten der Einladung. Auch an die jüngsten Besucher war gedacht: In einem Nebenraum betreuten städtische Erzieherinnen die Kinder.

In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Jonathan Berggötz die Bedeutung kommunalen Handelns. Entscheidungen würden nicht abstrakt, sondern direkt vor Ort getroffen, in Bad Dürrheim. Hier zeige sich, „ob Bildung trägt, ob Infrastruktur funktioniert und ob Zusammenhalt gelebt wird“. Statt Ausflüchten brauche es Tatkraft und Verantwortungsbewusstsein, so die zentrale Botschaft des Bürgermeisters.

Der Bürgermeister räumte ein, dass derzeit vieles aus dem Gleichgewicht geraten sei, politisch, wirtschaftlich und leider auch gesellschaftlich. Vieles wirke belastend, problematisch oder sogar hoffnungslos. Gerade deshalb dürfe die Antwort jedoch weder Rückzug noch Resignation sein.

Trotz berechtigter Kritik an Entscheidungen auf europäischer, bundes- oder landespolitischer Ebene gelte es ebenso wahrzunehmen, dass vieles funktioniere. Ausschlaggebend sei letztlich, was vor Ort möglich gemacht werde. Zuversicht entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen, also hier in Bad Dürrheim. Berggötz rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Zukunft ihrer Stadt aktiv mitzugestalten.

Zur Verdeutlichung schilderte der Bürgermeister ein Gespräch mit Freunden, in dem plötzlich der Satz gefallen sei: „Manchmal fragt man sich, wohin man auswandern soll.“ Je länger die Runde darüber gesprochen habe, desto klarer sei jedoch geworden, dass niemand wirklich weg wolle. Heimat sei dort, wo Freunde lebten, Kinder aufwüchsen und Verantwortung konkret werde, und ein Gesicht habe.

Zu den Gästen des Neujahrsempfangs zählten unter anderem die Ehrenbürger und Bürgermeister a. D. Walter Klumpp und Ehrenbürger Heinrich Glunz mit ihren Ehefrauen. Ebenfalls anwesend waren der Landtagsabgeordnete Frank Bonath, der Landrat des Schwarzwald-Baar-Kreises Sven Hinterseh sowie der Landrat des Landkreises Rottweil und Vorsitzende des Regionalverbandes, Dr. Wolf-Rüdiger Michel, der in Bad Dürrheim aufgewachsen ist.

Bürgermeister Jonathan Berggötz begrüßte zudem zahlreiche Kreisräte sowie Mitglieder des Stadt- und der Ortschaftsräte. Die Kirchen waren durch die Pfarrer Markus von Chamier, Bernhard Jaeckel, Jonathan Richter und Waldemar Gissel vertreten. Unter den Gästen befanden sich außerdem Vertreter der örtlichen Vereine sowie zahlreiche Bürgermeister aus der Region, darunter Michael Schmitt (Brigachtal), Ralf Pahlow (Tuningen), Markus Keller (Blumberg), Micha Bächle (Bräunlingen), Jörg Frey (Schonach), Andreas Braun (Unterkirnach) und der frühere Bürgermeister von Furtwangen, Josef Herdner. Auch der Präsident des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg, Bürgermeister Fritz Link aus Königsfeld, nahm am Empfang teil.

Als Festredner konnte die Stadt in diesem Jahr den Präsidenten und Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Gemeindetags, Steffen Jäger, gewinnen, der die Interesse von mehr als 1000 Kommunen gegenüber dem Land und anderen Institutionen vertritt.

Jäger spielte gleich zu Beginn seiner Rede auf die Herausforderung an, künftig zwischen dem Notwendigen und Wünschenswerten zu unterscheiden. Politik werde in den Städten und Gemeinden konkret gelebt und wenn es denen gut gehe, funktioniere auch das Zusammenleben. „Jeder Euro, der ausgegeben wird, muss auch irgendwo eingenommen werden“, führte Steffen Jäger den Zuhörern vor Augen, die Kommunen hätten im vergangenen Jahr ein noch nie dagewesenes Defizit angesammelt. Die Deutschen seien zu kleinteilig, zu unflexibel, zu langsam geworden, jede fünfte Minute müsse für die Bürokratie aufgewendet werden.

Mit spürbarem Augenzwinkern sorgte Jäger für Heiterkeit im Saal, als er einige kuriose Auswüchse der Bürokratie zitierte. So listet die baden-württembergische Photovoltaikpflichtverordnung detailliert auf, welche Bauwerke für Solaranlagen ungeeignet sind – darunter ausdrücklich unterirdische Bauwerke sowie sogenannte „fliegende Bauten“ wie Zelte oder Bühnen. Ein weiteres Beispiel lieferte ein Förderantrag, den Kommunalverwaltungen ausfüllen müssen: Dort sei per Ankreuzfeld zu bestätigen, dass die bewilligten Mittel nicht an terroristische Vereinigungen weitergeleitet werden. Das Publikum quittierte die Anekdoten mit sichtbarem Amüsement.

In diesem Zusammenhang forderte der Gemeindetagspräsident von den Bürgern mehr Eigenverantwortung. Dass diese in Bad Dürrheim tatsächlich wahrgenommen wird, erfuhr er, als er fragte, wer alles in einem Verein, einer Hilfsorganisation oder einem Gremium ehrenamtlich tätig ist: fast alle im Publikum erhoben ihre Hand.„Wir brauchen das Bewusstsein, dass jeder zum Gelingen der Gemeinschaft beiträgt, was er leisten kann“, forderte Jäger, der Staat sei keine Dienstleistung und die Demokratie „kein Bestellshop“. Ein funktionierendes Gemeinwesen leben lebe davon, dass die Verantwortung geteilt wird. Dabei seien es die Kommunen, die Daseinsvorsorge leisteten, für Kinderbetreuung, Schulen, Kulturstätten, Straßen, Trinkwasser und Abwasserentsorgung sorgten. Die Qualität der Infrastruktur in unseren Kommunen brauche keinen internationalen Vergleich scheuen, so Steffen Jäger.

Tragende Säule der Demokratie sei „das Mitmachen und nicht die Summe der Rechtsansprüche“, so der Gemeindetagspräsident. Er riet den Bürgern, nicht die Frage zu stellen, „wie man möglichst wenig tun muss, sondern was man tun kann für die Gemeinschaft“. Denn nicht der Staat werde alles regeln, vielmehr müsse es eine Reform der Eigenverantwortung geben.

Und so sprach er von der Vision eines Landes, in dem die Züge wieder pünktlich sind und in dem den Entscheidungsträgern mehr Vertrauen entgegengebracht wird als jenen, die immer dagegen sind.

Bürgermeister Jonathan Berggötz dankte Steffen Jäger für die mutmachenden Gedanken seiner Rede und lud ihn anschließend ein, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. In seiner weiteren Ansprache griff der Bürgermeister verschiedene Themen auf, darunter auch das Bild Bad Dürrheims als vermeintliche „Seniorenstadt“. Dem widersprach er deutlich: Bad Dürrheim sei für alle Generationen attraktiv, insbesondere für Familien.

Als jemand, der selbst in Bad Dürrheim aufgewachsen sei, wisse er, wie lebenswert es sei, hier groß zu werden, so Berggötz. Zugleich hob er die Bedeutung der örtlichen Unternehmen sowie der Kliniken und Banken hervor. Sie bildeten die wirtschaftlichen Eckpfeiler der Stadt, schafften Arbeitsplätze und setzten wichtige Impulse für die weitere Entwicklung.

Angesichts der finanziellen Herausforderungen stellte Bürgermeister Jonathan Berggötz die entscheidenden Fragen in den Mittelpunkt: „Was können wir uns dauerhaft leisten?“ und „Was brauchen wir wirklich?“ Ziel sei es, die starke Bildungs- und Betreuungslandschaft in Bad Dürrheim zu sichern, vom Schulverbund bis zum Ausbau der Ganztagsbetreuung in der Kernstadt und in Oberbaldingen.

Ein weiterer Schwerpunkt sei der Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Verwaltung und moderner Räumlichkeiten durch die Modernisierung des Hauses des Gastes. „Wir schaffen gute Rahmenbedingungen für Unternehmer und Arbeitnehmer“, betonte Berggötz. Für den Gemeinderat habe oberste Priorität, die Zukunft des Solemar zu sichern, die „Lebensversicherung“ der Stadt. Dies setze eine konsequente Konsolidierung des städtischen Haushalts sowie der Kur- und Bäder GmbH voraus.

Erfolge seien jedoch nur gemeinsam möglich, mit Engagement aus der Bürgerschaft sowie Verantwortung in Verwaltung und Kommunalpolitik. „Es kommt auf jede und jeden Einzelnen an“, sagte der Bürgermeister. Die Stadt sei wie eine große Familie: „In einer Familie wendet man sich nicht ab, wenn es schwierig wird. Man steht noch enger zusammen, übernimmt mehr Verantwortung und packt erst recht an.“

Kurgeschäftsführer Markus Spettel bezeichnete das Solemar mit seinen rund 600.000 Gästefrequenzen pro Jahr als wirtschaftlichen Motor der Kur- und Bäder GmbH und der Stadt Bad Dürrheim. Die vom Gesundheitszentrum ausgehende Wertschöpfung von etwa 100 Millionen Euro jährlich komme nicht nur Übernachtungsbetrieben, Gastronomie, Handel und Dienstleistern zugute, sondern der gesamten Stadt, dem Landkreis und der Region. Für die Umsetzung des Neubaus sei jedoch die finanzielle Unterstützung des Landes erforderlich, betonte Spettel.

Jugendliche aus Bad Dürrheim informierten die Besucher über ein Beteiligungsprojekt, das die Stadtjugendpflege gemeinsam mit der Forêt-Noire-Stiftung initiiert hat. Nach einer Ideensammlung unter den Jugendlichen soll am Bohrturm ein Jugend-Café, auch „Jugendcampus“ genannt, entstehen. Die Jugendlichen wünschten sich einen Treffpunkt, an dem sie nicht nur Hausaufgaben erledigen, sondern auch durch Begegnungen, Sport und Spiel neue Impulse erhalten, berichteten Finn Schneider, Lena Sclinschpon, Nora Beha, Yarika Sary Sirey und Noah Diktas. Bürgermeister Jonathan Berggötz dankte den Stiftungsvorständen Dr. Tim Moog und Heike Reinsch für ihr Engagement und die Unterstützung der jungen Menschen in Bad Dürrheim.

Musikalisch gekonnt bereichert wurde die Veranstaltung vom Musikverein Oberbaldingen unter der Leitung von Dirigent Simon Glunz. Als die Musikerinnen und Musiker die Europahymne anstimmten, erhoben sich alle Gäste im Saal. Bürgermeister Berggötz bezeichnete die Hymne der Europäischen Union als ein verbindendes Symbol. Den Abschluss bildete das Badnerlied, das ebenfalls mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.

Im Anschluss konnten sich alle Besucher an Getränken und Häppchen erfreuen und in den gemeinsamen Austausch treten.

HINWEIS:
Den vollständigen Artikeln mit weiteren Bildern finden Sie unter:
https://www.bad-duerrheim.info/de/Aktuelles/Stadtnachrichten/Stadtnachricht?view=publish&item=article&id=3807

BILDUNTERSCHRIFTEN:

(1)
Bürgermeister Jonathan Berggötz (links), Festredner Steffen Jäger und Kurgeschäftsführer Markus Spettel mit dem Goldenen Buch der Stadt.

(2)
Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, begeisterte das Publikum mit seinem authentischen und verantwortungsbewussten Vortrag.

(3)
Auch in diesem Jahr fanden sich, trotz der widrigen
Wetterumstände, viele interessierte Bürgerinnen und Bürger im Haus des Gastes ein, um gemeinsam den Neujahrsempfang zu feiern.

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Stadtverwaltung Bad Dürrheim veröffentlicht.