Ranga Yogeshwar im Interview mit Bürgermeister Jens Wiegand
Im Gespräch mit Ranga Yogeshwar, einem renommierten Physiker und Wissenschaftsjournalist, erfahren wir, warum das lokale Wärmenetz in Breuna eine nachhaltige Alternative zu fossilen Energien darstellt, welche Herausforderungen bei der Modernisierung der Gebäudetechnik bestehen und welche Bedeutung die Energiewende für zukünftige Generationen hat.
Jens Wiegand:
Herr Yogeshar, warum ist das Wärmenetz aus Windkraft und Abwärme sicherer als Gas und Öl?
Yogeshwar erklärt: „Der Blick auf die aktuellen Energiepreise macht deutlich, wie volatil fossile Brennstoffe sind. Der Angriff auf den Iran hat die Dieselpreise auf über 2 € an der Tankstelle getrieben – das zeigt, dass konventionelle Energie immer wieder Schwankungen unterliegt. Außerdem wächst der weltweite Energiehunger, wodurch Konflikte um Ressourcen zunehmen. Wenn der Iran nicht ein großer Öllieferant wäre, wenn Venezuela nicht einer der größten Ölvorkommen weltweit hätte, dann gäbe es diese Kriege nicht und das ist etwas, was wir uns klar machen müssen.
Insofern ist die Unabhängigkeit von den fossilen Energiequellen ein Gebot der Stunde. Erneuerbare Energien wie Solar und Wind werden immer günstiger. Selbst ohne Klimadiskussion ist die Unabhängigkeit von fossilen Quellen eine kluge wirtschaftliche Entscheidung.“
Jens Wiegand:
Was halten Sie von den geplanten Änderungen im Gebäudemodernisierungsgesetz? Biogas und Bio-Öl sollen fossile Energieträger zunächst ergänzen, später ersetzen. Halten Sie das für sinnvoll?
Ranga Yogeshwar: „Ich bin kein Politiker, sondern Physiker“, sagt Yogeshwar, „aber physikalisch betrachtet, ist es sinnvoll, auf nachhaltige Energiequellen zu setzen. Die Debatte ist oft von Dogmatismus geprägt, was Verunsicherung schafft.
Der Umbau hin zu erneuerbaren Energien ist unumgänglich, um langfristig Geld zu sparen und die Industrie zukunftsfähig zu machen. Dass müssen wir begreifen. Deutschland sollte den Wandel aktiv gestalten, anstatt an bewährten, aber veralteten Technologien festzuhalten. Letzteres ist dieses klassische Muster, wo wir immer wieder erleben, da gibt es auf der einen Seite die Bewahrungskultur, also die Kultur, die sagt, alles soll so bleiben, wie es war. Der wichtige Punkt dahinter ist sich auf die Physik, auf ganz einfache ökonomische Überlegungen zu fokussieren und nicht auf dem Bewahren einer sterbenden Industrie. Und das ist genau das, was wir aktuell überall erleben: Bei der Wärmeversorgung, der Automobilindustrie usw.“
Jens Wiegand:
Welche Signale sendet das Wärmenetz in Breuna an junge Familien und Unternehmer?
Ranga Yogeshwar: „Das Engagement vor Ort zeigt, dass die Gemeinde Breuna den Weg in eine nachhaltige Zukunft geht. Es ist wichtig, die Menschen ehrlich über Chancen und Herausforderungen zu informieren. Der Austausch mit Handwerkern, die den Umbau umsetzen, muss transparent sein. Kollektives Handeln und offene Diskussionen sind essenziell, um das Projekt erfolgreich zu machen.“
Jens Wiegand:
Wir bauen das jetzt das Netz ja nicht nur für heute. Welches energetische Erbe hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln in der Gemeinde, wenn wir die Infrastruktur schaffen?
Ranga Yogeshwar: „Unsere Vorfahren haben sich kaum Gedanken über Energie gemacht, weil sie günstig war. Heute ist das anders: Die Kosten steigen, und die Abhängigkeit von Energieimporten wächst. Wer heute in energieeffiziente Häuser und nachhaltige Technologien investiert, sorgt für stabile Kosten und reduziert den CO₂-Ausstoß. Das ist ein Vermächtnis für unsere Kinder – eine resilientere, unabhängige Infrastruktur.
Das Hauptmotiv ist, und das ist eben wichtig, dass selbst wenn man nicht über Klimawandel nachdenkt, alleine die Tatsache, dass wir heute diese Alternativen haben, die günstiger sind, die sehr viel resilienter sind. Sonne und Wind hat wenig mit den Konflikten dieser Welt zu tun. Zumal Deutschland ein Land ist, das auf fossile Energieimporte angewiesen ist. Insofern sind wir nicht in der luxuriösen Lage, dass wir das alles selber abdecken können, sondern wir sind damit abhängig von anderen Ländern und genau solche Projekte wie in Breuna führen dazu, dass diese Abhängigkeit geringer wird.“
Jens Wiegand:
Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Energieumstellung?
Ranga Yogeshwar: „Ich selbst habe in meinem Haus eine Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher installiert und konnte dadurch meine Energiekosten für Mobilität, Wärme und Elektrizität um 80 % senken“, berichtet Yogeshwar. „Der Umbau war zwar teuer – etwa 100.000 € – und zäh im Prozess, aber die Investition lohnt sich auf lange Sicht. Eine solche Maßnahme erfordert Planung, Geduld und Fachwissen. Für viele Eigentümer ist die finanzielle Belastung eine Herausforderung, doch die Vorteile überwiegen.“
Jens Wiegand:
Was raten Sie Bewohnern, die eine eigene Wärmepumpe in Betracht ziehen?
Ranga Yogeshwar: "Wichtig ist, sich genau zu informieren, um nicht auf unseriöse Angebote hereinzufallen. Das Wärmenetz bietet hier eine attraktive Alternative: Die Kosten sind kalkulierbar, und die Infrastruktur ist gewissermaßen ‚fertig‘ – man braucht keinen Stress mit Installateuren und spart sowohl bei der Umrüstung der Heizungsanlage als auch langfristig Geld.“
Jens Wiegand:
Welche Bedeutung hat das Wärmenetz für die Gemeinschaft?
Ranga Yogeshwar: „Es zeigt, dass gemeinsames Handeln und professionelle Umsetzung den Unterschied machen. Wichtig ist, dass die Technik zuverlässig arbeitet und die Fachleute qualifiziert sind. So entsteht eine nachhaltige Infrastruktur, von der alle profitieren – heute und in Zukunft.“
Herr Yogeshwar, herzlichen Dank für das Gespräch!
Fazit:
Ranga Yogeshwar betont, dass der Wandel hin zu erneuerbaren Energien eine Chance ist, die nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch ökologisch notwendig ist. Das Beispiel Breuna zeigt, wie regionale Projekte einen Beitrag zur Energiewende leisten und gleichzeitig die Gemeinschaft stärken können. Mit Mut, Innovation und gemeinsamer Anstrengung kann die Energiewende gelingen – für eine sichere und nachhaltige Zukunft.