Persönliche Eindrücke von der Kreistagssitzung
Persönliche Eindrücke von der Kreistagssitzung am 17.3. zur Causa Landrat Riethig
Einen Tag nach der Sondersitzung des Kreistages am 17.03.2026 in Bovenden bleibt ein sonderbares Gefühl zurück.
Diese Sitzung war in vielerlei Hinsicht besonders. Eigentlich wollten wir über grundlegende Fragen sprechen:
Unschuldsvermutung, Schuld oder Unschuld, Klarheit und Wahrheit.
Wer hat wann wen informiert? Warum wurden Mängel nicht intern angesprochen? Weshalb wurde so lange geschwiegen? Und vor allem: Wie gehen wir weiter vor?
Dann kam um 14:00 Uhr der Paukenschlag:
Der Landrat wurde durch das Ministerium suspendiert.
In diesem Moment schien die Luft raus – und doch blieb eine spürbare Spannung.
Denn wir konnten live beobachten, wie sich neue Machtgefüge im Kreistag bildeten, während alte Allianzen verlassen wurden. Ein Prozess, der selten so offen sichtbar ist.
Der Landrat selbst fehlte, sodass eine weitere direkte Aufklärung kaum möglich war. Fakt ist: Wir wissen heute als Kreistag nicht mehr als noch vor drei Wochen.
Gleichzeitig ist offensichtlich, dass im Umfeld mehr Wissen vorhanden ist – ohne dass wir die Möglichkeit hatten, gezielt nachzufragen.
In den Debatten wurden zudem unterschiedliche Ebenen vermischt: das Arbeitsklima vor Ort und die 28 Vorwürfe, die in Hannover vom Ministerium untersucht werden.
Eine saubere Trennung oder echte Aufarbeitung blieb aus.
Bis heute gilt: Die Schuld ist nicht bewiesen.
Der Landrat ist suspendiert – unter Geltung der Unschuldsvermutung. Gleichzeitig haben die Beschwerdeführer ihrerseits Anzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung gestellt.
Was jedoch fehlte, war ein echtes Klima des Aufklärungswillens. Stattdessen dominierten vielfach bekannte Narrative und Selbstdarstellung. Wirklich klüger ist am Ende kaum jemand geworden.
Bemerkenswert war ein Beitrag aus dem Kreistag: Ein Abgeordneter stellte öffentlich die Theorie auf, dass Dokumente beim Einscannen als PDF-Dateien an andere Stellen gelangt sein könnten – obwohl bislang gar nicht von digitalen Kopien die Rede war. Auch das zeigt, wie viele offene Fragen weiterhin bestehen.
Immerhin: Wir konnten uns mehrheitlich auf Akteneinsicht verständigen und einstimmig dem geänderten FDP-Antrag folgen, künftig monatlich einen Sonder-Kreisausschuss zu diesem Thema einzurichten.
Gerade deshalb formiert sich jetzt zunehmend eine Gruppe der Anständigen und Aufrichtigen: Menschen, die bereit sind, für Wahrheit, Fairness und Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen. Sie stellen sich gegen Fake News, gegen Rufschädigung und gegen das Verhindern von Akteneinsicht und echter Transparenz.
Diese Menschen handeln nicht opportunistisch oder wankelmütig.
Sie bleiben standhaft, fordern Transparenz ein und stehen für Ehrlichkeit sowie eine vollständige Aufklärung aller Umstände.
Denn nur so entsteht am Ende eines: Wahrheit in der Wirklichkeit.