Wärmenetz der Gemeinde Breuna - Gespräch mit Prof. Dr. Vajen, Universität Kassel
Zum Wärmenetz der Gemeinde Breuna konnten wir mit Herrn Prof. Fr. Vajen ein Gespräch führen. Prof. Dr. Klaus Vajen ist Direktor des Instituts für Thermische Energietechnik an der Universität Kassel. Der Physiker ist Autor von über 300 Publikationen zu den Themen Solartechnik, Hochschulbildung und Energiepolitik.
Sehr geehrter Prof. Dr. Vajen,
herzlichen Dank, dass wir Sie zum geplanten Projekt in der Gemeinde Breuna zum Aufbau eines Wärmenetzes, das hauptsächlich mit lokalen Energiequellen gespeist wird, befragen dürfen.
Frage:
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren als Direktor des Instituts für thermische Energietechnik mit Möglichkeiten zur Wärmeversorgung ohne fossile Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl. Ist das System, das die Gemeinde Breuna aktuell plant, grundsätzlich ein aussichtsreiches Konzept?
Antwort:
Mein hauptsächliches Arbeitsgebiet ist zwar die Nutzung von Sonnenwärme, aber grundsätzlich ist die Verwendung von lokalen Energiequellen, wie Strom aus Windenergie und Abwärme, ein sehr guter Ansatz, um zukünftig stabile Wärmepreise und eine robuste und zukunftssichere Wärmeversorgung zu ermöglichen.
Frage:
Wir haben gelesen, dass in Mittelhessen im letzten Jahr ein ähnliches System zur Wärmeversorgung des Dorfs Rauschenberg-Bracht in Betrieb genommen wurde. Dort wird die sommerliche Wärme in einem großen Wasserspeicher (Erdbecken) für den Winter gespeichert. Auch in Amöneburg-Rüdigheim entsteht eine ähnliche Anlage. Macht dieses Verfahren nicht auch in Breuna Sinn?
Antwort:
Es macht Sinn, die Energiequellen zu nutzen, die vor Ort kostengünstig zur Verfügung stehen. Da bietet sich in Breuna die Nutzung von Abwärme und die Umwandlung von Windstrom in Wärme durch eine Großwärmepumpe an. Diese Möglichkeiten gab es weder in Rauschenberg-Bracht noch in Amöneburg-Rüdigheim. Daher wird die Wärme dort über eine große Solarthermieanlage in Kombination mit einem Erdbeckenspeicher (Saisonspeicher) und einer Großwärmepumpe bereitgestellt. Durch den in Breuna verfügbaren Strom aus Windenergie ist ein großer Wärmespeicher wie in den beiden Orten in Mittelhessen nicht notwendig, da im Gegensatz zur Solarenergie die Windenergieanlagen auch im Winter gute Stromerträge zur Versorgung der Großwärmepumpe liefern. Eine Anlage in Breuna wird regenerativ erzeugte Wärme vermutlich noch kostengünstiger bereitstellen können als in Bracht und Rüdigheim.
Frage:
Verstehen wir das richtig, dass es in Breuna gute Voraussetzungen gibt, um eine Wärmeversorgung ohne Heizöl und Erdgas aufzubauen?
Antwort:
Ja, die Voraussetzungen sind aus meiner Sicht in der Tat außerordentlich günstig. Bei einer Fernwärmeversorgung ist es aber immer so, dass sie dann besonders günstig ist, wenn sie möglichst viele nutzen. Dann verteilen sich die Installationskosten auf viele Schultern und fallen für den einzelnen kaum noch ins Gewicht. Die Chance eine regenerative und zudem noch kostengünstige Wärmeversorgung für ganz Breuna zu erstellen gibt es vermutlich nur einmal. Wenn sich später zu viele bereits für eine individuelle Lösung für ihr Haus entschieden haben funktioniert es nicht mehr, und dann wird es zwangsläufig für alle teurer.
Herr Prof. Dr. Vajen, herzlichen Dank für das Gespräch!
Quelle Foto: Prof. Dr. Vajen