Collagebild 1Collagebild 2Collagebild 3Collagebild 4Collagebild 5Collagebild 6Collagebild 7

Zum Schutz vor Hochwasser: Grosse Betonblöcke stabilisieren den Lielibach

Beckenried setzt ein weiteres Teilstück der Hochwasserschutzmassnahmen um. Zwei Rutschungen setzen dem Bachbett zu.

Es wird gebaut am Lielibach. Im Gebiet «Berg-Studi» wird derzeit im Bachbett und an den Bachflanken gearbeitet. Ein Bagger bearbeitet Uferbereiche und das Bachbett. Aus dem Bachbett schauen grosse Betonblöcke heraus. Es sind Tetrapoden, auch Cabs genannt. Die Abkürzung steht für «concrete armed blocks» – Schutzblöcke aus Stahlbeton. Die Klötze haben eine Seitenlänge von 270 Zentimetern, bestehen aus fünf Kubikmetern armiertem Beton und wiegen zwölf Tonnen. Tetrapoden werden zum Beispiel auch am Meer für den Schutz der Küsten vor Erosion eingesetzt.

Die Cabs im Lielibach erwecken den Eindruck, als wären sie zufällig in die Bachsohle gepurzelt. Doch dahinter steckt eine ausgeklügelte Planung, wie der zuständige Gemeinderat Marco Zimmermann festhält. Um die ideale Verteilung der Betonelemente zu eruieren, habe man ein spezialisiertes geologisches Labor im Tessin beigezogen. «Dort haben wir im Massstab 1:30 verschiedene Hochwasserszenarien bis zu einem 300-jährigen Ereignis durchspielen können.» Das Resultat sei ein genauer Plan gewesen, wo genau die Betonblöcke hinmüssen. 370 davon werden platziert.

Erschwerend komme beim Lielibach hinzu, dass in dem rund 500 Meter langen Abschnitt, an dem derzeit gebaut wird, auf beiden Seiten Rutschungen dem Bachbett zusetzen, sagt Bauleiter Paul Käslin, Ingenieur bei der Hergiswiler Schubiger AG. Am rechten Bachufer drücke die Rutschung Bodenberg, und auch auf der linken Seite sei das Gelände instabil.

Betonblöcke allein reichen nicht
Die Betonklötze sollen das Bachbett und die Flanken stabilisieren, so Käslin. «Das ist die gewählte Methode, mit der man einen hohen Widerstand erreichen kann.» Als Alternative zu den Cabs müsste man mit 20 bis 25 Tonnen schweren Natursteinblöcken arbeiten, um die gleiche Stabilität zu erreichen. «Das ist kaum umsetzbar», sagt Paul Käslin.

Die Modellversuche hätten jedoch auch gezeigt, dass die Betonblöcke für die Stabilisierung allein nicht reichten. Darum setze man auf ein kombiniertes System mit den Tetrapoden und grossen Natursteinblöcken dazwischen, jeder davon zwischen drei und fünf Tonnen schwer. Die Knacknuss sei, dass das ganze System beweglich sein müsse, um die Bewegungen des Geländes aufzufangen. Mit Betonelementen und Steinen werde das erreicht.

Die Bauarbeiten erfolgen etappenweise, wobei der Bach jeweils über Rohre umgeleitet wird, damit möglichst im Trockenen gearbeitet werden kann. Entlang des einen Ufers verläuft eine Baupiste, um Maschinen und Material transportieren zu können.

Die rund 370 Tetrapoden werden vor Ort hergestellt. Auch die Bewehrungseisen werden auf der Baustelle zusammengefügt. «Die Unternehmung betoniert maximal zwölf Elemente pro Woche», sagt Paul Käslin. Eine Anzahl fertiger Exemplare liegt beim Installationsplatz bereit und wartet darauf, platziert zu werden.

«Jetzt sieht das Ganze etwas geometrisch aus», räumt Käslin ein. Nach Abschluss der Bauarbeiten werde die Umgebung rasch wieder grün, und auch die Betonelemente würden mit der Zeit teilweise überwachsen. «Sie werden nicht mehr so auffallen wie jetzt», ist Käslin überzeugt und zieht einen Vergleich zu den alten Bachsperren, die teils kaum mehr zu sehen sind.

Gute Zusammenarbeit mit Pächtern und Landbesitzern

Marco Zimmermann rechnet damit, dass die Arbeiten am Bachabschnitt bis Anfang des kommenden Jahres beendet sein werden. Der Gemeinderat windet den Landbesitzern und Pächtern ein Kränzchen: «Die Zusammenarbeit mit ihnen bei diesem Projekt ist sehr gut.» Und auch die Bevölkerung lege die entsprechende Toleranz an den Tag.

Rund 37 Millionen Franken kosten die Hochwasserschutzmassnahmen am Lielibach. Nach Abzug der Subventionen von Kanton und Bund verbleibt für Beckenried gut ein Fünftel der Kosten. Direkt unterhalb der aktuellen Baustelle ist bereits 2019 der Bau einer Konsolidierungsperre als vorgezogene Massnahme abgeschlossen worden. Da durch die Rutschbewegungen im Gebiet Bodenberg die Sperrentreppen des Baches auf einer Länge von rund 500 Metern verschoben und zerstört worden waren, drängte die Zeit, um die Gefahrensituation zu entschärfen. In jüngerer Vergangenheit ist der gepflästerte Unterlauf des Beckenrieder Wildbachs in eine Rauhbettschale umgestaltet worden. Weiter oben ist ein grosser Rückhalteraum für Geschiebe und Schwemmgut entstanden.

Im letzten Teil der Bauarbeiten soll der Lielibach oberhalb der heutigen Baustelle ebenfalls instand gesetzt werden. Die Gemeinde rechnet damit, dass alle Arbeiten im Jahr 2028 abgeschlossen sein werden.

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Informationen aus dem Gemeindehaus Beckenried veröffentlicht.