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Zwischen Zukunftsprojekten und Sparzwang

Rückblick zum Bürgeraustausch 2026


Wie entwickelt sich Bad Dürrheim weiter? Welche Projekte stehen an, wo muss gespart werden und was bewegt die Bürgerinnen und Bürger aktuell besonders? Über diese und viele weitere Themen informierte Bürgermeister Jonathan Berggötz bei zwei gut besuchten Bürgergesprächen im Haus des Bürgers sowie in der Mehrzweckhalle Oberbaldingen. Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner nutzten die Gelegenheit, sich aus erster Hand über aktuelle Entwicklungen in der Stadt zu informieren, Fragen zu stellen und eigene Anregungen einzubringen.


Im Mittelpunkt standen große Zukunftsthemen wie die finanzielle Lage der Stadt, Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung sowie die Zukunft des Solemar. Gleichzeitig zeigte sich in den Fragerunden aber auch, welche Themen die Menschen im Alltag beschäftigen, von Parkgebühren über Radverkehr und Straßenzustand bis hin zu Hundehaltung, Kindergartenplätzen und Fernwärme.


„Mir ist wichtig, dass alle Bürgerinnen und Bürger gut informiert sind“, betonte Bürgermeister Berggötz. Die Veranstaltungen sollten deshalb nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch Raum für direkten Austausch schaffen.


Grundsteuer: Reform führt zu Verschiebungen


Ein wichtiges Thema war die neue Grundsteuerberechnung, die seit 2025 gilt. Bürgermeister Berggötz erläuterte, dass die Stadt mit der Reform zunächst keine höheren Einnahmen erzielen wollte. Das Grundsteueraufkommen blieb im Jahr 2025 mit rund 3,8 Millionen Euro auf bisherigem Niveau. Allerdings habe die Reform zu Verschiebungen zwischen den Steuerpflichtigen geführt, da sich die Berechnung nun stärker an Bodenrichtwerten und Grundstücksgrößen orientiert.


Dabei zeigte der Bürgermeister anhand von Beispielen auf, dass die Bodenrichtwerte in der Kernstadt deutlich höher liegen als in den Stadtteilen. Erst im Zuge der Haushaltskonsolidierung wurde für das Jahr 2026 eine Erhöhung des Hebesatzes beschlossen.


Solemar bleibt wichtiger Standortfaktor


Auch die Zukunft des Solemar wurde thematisiert. Das Bad befinde sich mittlerweile im 38. Betriebsjahr. Eine Sanierung hätte nach Angaben der Stadt eine rund zweijährige Schließung erforderlich gemacht. Deshalb habe die Gesellschafterversammlung der Kur- und Bäder GmbH einen Neubau beschlossen.


Bürgermeister Berggötz bezeichnete das Solemar als „absoluten Glücksfall“ für Bad Dürrheim. Das Bad sei wirtschaftlich erfolgreich, sichere Arbeitsplätze und stärke den Tourismus. Zudem würden mit den Erträgen unter anderem der Kurpark, Veranstaltungen oder das Minara mitfinanziert. Das Solemar sei damit eine wichtige Grundlage für die Attraktivität und Lebensqualität der Stadt.


Haushaltslage erfordert Konsolidierung


Deutlich wurde in den Bürgergesprächen auch die angespannte Haushaltslage der Stadt. Für das laufende Jahr stehen Einnahmen von 44,9 Millionen Euro Ausgaben von 48,9 Millionen Euro gegenüber. „Wir leben aktuell von der Substanz“, erklärte Bürgermeister Berggötz mit Blick auf das Defizit von vier Millionen Euro.


Viele Kosten seien den Kommunen gesetzlich vorgegeben, beispielsweise im Bereich Ganztagsschule oder durch die Kreisumlage.


Die Kommunalaufsicht habe die Stadt verpflichtet, Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung umzusetzen. Dazu gehören unter anderem die Einführung der Parkraumbewirtschaftung oder die Anpassung von Gebühren sowie Einsparungen innerhalb der Verwaltung. Intern arbeite die Stadtverwaltung zudem daran, sich effizienter aufzustellen. So gelte derzeit eine Wiederbesetzungssperre bei Stellen. Auch die insgesamt 67 städtischen Gebäude würden überprüft. Dabei werde untersucht, welche Gebäude langfristig benötigt werden und ob einzelne Objekte verkauft werden können.


Parkraumbewirtschaftung sorgt für Diskussionen


Besonders intensiv diskutiert wurde das Thema Parkgebühren. Die Stadt plant ab Herbst die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung auf verschiedenen öffentlichen Parkplätzen. Hintergrund ist unter anderem, dass auch die Kur- und Bäder GmbH künftig Gebühren auf ihren Parkflächen erheben wird.


Die Einnahmen sollen zweckgebunden für die Sanierung und Verbesserung von Parkflächen sowie zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt verwendet werden. Mehrere Bürgerinnen und Bürger äußerten hierzu Fragen und Anregungen, etwa zur Situation in Wohngebieten oder zu möglichen Anwohnerregelungen.


Bürgermeister Berggötz kündigte an, dass die Verwaltung die Hinweise aus der Bürgerschaft prüfen werde und bat darum, weitere Anregungen direkt an die Stadtverwaltung zu richten.


Hohe Investitionen in Bildung und Betreuung


Ein weiterer Schwerpunkt war die Kinderbetreuung und Bildung. Bad Dürrheim verfüge über ein qualitativ exzellentes Angebot in den kommunalen und kirchlichen Kindertageseinrichtungen, betonte der Bürgermeister. Gleichzeitig verursache dieses Angebot hohe Kosten.


Die Stadt gibt jährlich rund 8,5 Millionen Euro für die Kindertageseinrichtungen aus. Dem stehen Zuschüsse und Elternbeiträge gegenüber, sodass die Stadt letztlich ein Defizit von rund 4,7 Millionen Euro trägt. Rechnerisch entspricht dies etwa 15.000 Euro pro Kita-Platz.

Gleichzeitig investiert die Stadt weiter in die Bildungsinfrastruktur. So entsteht am Bildungscampus Salinensee ein Neubau mit 15 Klassenzimmern, Fach- und Besprechungsräumen. Die Investitionssumme beträgt rund 14,3 Millionen Euro.


Um dieses wichtige Zukunftsprojekt finanzieren zu können, mussten andere Maßnahmen zunächst zurückgestellt werden. So wurden unter anderem die Sanierung des Parkplatzes Stadtmitte, die Sanierung der Bahnhofstraße sowie weitere Straßensanierungen verschoben.


Flüchtlingsunterbringung und gesellschaftliche Herausforderungen


Auch das Thema Flüchtlingsunterbringung wurde angesprochen. In der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in der Schwenninger Straße leben derzeit rund 20 Personen. Zusätzlich erfüllt die Stadt ihre Verpflichtung zur Anschlussunterbringung. Insgesamt sind derzeit 177 Geflüchtete in Bad Dürrheim untergebracht, darunter auch Menschen aus der Ukraine.


Bürgermeister Berggötz verwies darauf, dass die weltpolitische Lage weiterhin schwer einschätzbar sei. Die neu aufflammenden Konflikte im Nahen Osten sowie Hungersituationen in Teilen Afrikas könnten jederzeit wieder zu verstärkten Fluchtbewegungen führen.


Viele Anliegen aus der Bürgerschaft


In der Fragerunde wurden zahlreiche weitere Themen angesprochen. Dazu gehörten unter anderem Verkehrslärm, Straßenschäden, Radfahrer im Kurpark, E-Scooter, Hundehaltung, Kindergartenplätze oder die Fernwärmeversorgung.


Der Bürgermeister nahm viele Hinweise direkt auf und sagte zu, Anliegen weiter zu prüfen oder an zuständige Stellen weiterzugeben. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung eines respektvollen und konstruktiven Austauschs.


„Schön, dass Sie hier nicht nur wohnen, sondern auch leben und sich einbringen“, gab Bürgermeister Jonathan Berggötz den Bürgern zum Abschluss mit auf den Weg. „Bad Dürrheim ist dank seiner Vereine, Ehrenamtlichen und engagierten Menschen eine lebenswerte Stadt.“



Den Text, weitere Bilder und die Präsentation zum Bürgeraustausch finden Sie hier:

Bad Dürrheim im Gespräch - Rückblicke zum Bürgeraustausch | Bad Dürrheim



BILD


Beim Bürgergespräch stellte Bürgermeister Jonathan Berggötz auch die Vorzüge der Stadt Bad Dürrheim heraus.

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Stadtverwaltung Bad Dürrheim veröffentlicht.