Wiso kandidiert Adi als Grossrat? Viel Freude beim Lesen.
In den vergangenen Tagen wurde auf Crossiety geschrieben, gewisse Kandidierende – darunter auch ich – wollten gar nicht wirklich in den Grossen Rat. Dazu möchte ich gerne ehrlich Stellung nehmen.
Ja, ich kandidiere bewusst auf Liste 6 der SP Graubünden. Nicht aus Prestigegründen, sondern weil ich Politik gerne mag, weil ich unsere Region mitgestalten möchte und weil ich finde, dass die Bevölkerung eine echte Auswahl verdient.
Gleichzeitig bin ich ehrlich genug zu sagen: Ich kandidiere nicht mit dem Gefühl, dass unbedingt ich nach Chur muss.
Fabio Luzio hat seine Arbeit in den vergangenen vier Jahren engagiert, offen und transparent gemacht. Gerade für viele junge Menschen war und ist er ein wichtiges Vorbild. Ich bin überzeugt, dass er das Amt weiterhin sehr gut ausüben würde – auch wenn wir politisch nicht immer dieselben Schwerpunkte setzen.
Und ja: Mein Leben spielt sich stark hier in der Region ab. Ich habe hier Aufgaben, Projekte und Menschen, die mir wichtig sind. Deshalb stelle ich mir die Frage nach einem Grossratsmandat differenziert.
Weshalb kandidiere ich trotzdem?
Weil es mir wichtig ist, dass auch linke Stimmen sichtbar sind. Ich bin überzeugtes Mitglied der SP – nicht weil ich jede Position perfekt finde, sondern weil ich viele der Themen und Lösungsansätze für richtig halte. Besonders soziale Fragen, die Anliegen von Kindern und Jugendlichen und der gesellschaftliche Zusammenhalt brauchen für mich eine starke Stimme.
Das doppelte Proporzsystem erlaubt es nämlich, gleichzeitig Personen und Parteien zu stärken.
Am 14. Juni stimmen wir neben den Grossratswahlen auch über die sogenannte 10-Millionen-Initiative der SVP ab. Auch dazu möchte ich offen Stellung beziehen: Ich lehne diese Initiative klar ab.
Gerade für Graubünden halte ich sie für sehr problematisch. Unser Kanton ist vielerorts nicht von Zuwanderung bedroht, sondern von Abwanderung. Auch unsere Region kämpft eher damit, junge Menschen und Familien hierzubehalten oder neue Menschen für das Leben in den Bergen zu gewinnen. Es kann aus meiner Sicht nicht die Lösung sein, Zuwanderung grundsätzlich zu verhindern.
Und auch national glaube ich nicht, dass die Initiative das eigentliche Problem löst. Unser Wirtschaftssystem ist stark auf Wachstum ausgerichtet – genau darüber sollten wir ehrlich diskutieren. Die Verantwortung einfach auf die Zuwanderung abzuschieben, greift für mich zu kurz.
Darum ist meine persönliche Wahlempfehlung am Ende auch ganz einfach: Fabio Luzio als Person auf der Liste 6 der SP als politische Stimme. Und ein Nein zur 10-Millionen-Initiative.
Am 14. Juni entscheidet die Bevölkerung. Und genau so soll es sein.