📝 Artikel 20 – pflegerische Hilfsmittel: Unterstützung im Alltag
Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, merkt schnell: Viele alltägliche Tätigkeiten werden mit zunehmender Pflegebedürftigkeit schwieriger. Das Aufstehen aus dem Bett fällt schwer, das Gehen wird unsicher oder die Körperpflege wird zur Herausforderung. Genau hier können Hilfsmittel helfen.
Hilfsmittel sollen die Selbstständigkeit pflegebedürftiger Menschen erhalten, die häusliche Pflege erleichtern und die Sicherheit im Alltag verbessern. Gleichzeitig entlasten sie Angehörige und Pflegepersonen körperlich und organisatorisch.
Welche Hilfsmittel gibt es?
Die Auswahl an Hilfsmitteln ist groß und richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen der betroffenen Person.
Zu den häufig genutzten Hilfsmitteln im ambulanten Bereich gehören beispielsweise:
Mobilitätshilfen
- Rollatoren
- Gehstöcke
- Rollstühle
- Transferhilfen
- Treppensteiger
Hilfsmittel für die Pflege
- Pflegebetten
- Bettaufrichter
- Lagerungskissen
- Patientenlifter
- Dusch- und Toilettenstühle
Hilfsmittel für mehr Sicherheit
- Hausnotrufsysteme
- Haltegriffe im Bad
- Anti-Rutsch-Matten
- Bewegungssensoren
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch
Hierzu gehören unter anderem:
- Einmalhandschuhe
- Desinfektionsmittel
- Bettschutzeinlagen
- Mundschutz
Für diese sogenannten Pflegehilfsmittel zum Verbrauch übernimmt die Pflegekasse aktuell Kosten von bis zu 42 Euro monatlich, sofern ein Pflegegrad vorliegt.
Wie erhält man ein Hilfsmittel?
Der erste Schritt ist meist ein Gespräch mit dem Hausarzt, einem Facharzt oder dem ambulanten Pflegedienst. Oder sie wenden sich direkt an ein Sanitätshaus.
Je nach Hilfsmittel erfolgt die Beantragung über die Krankenkasse oder die Pflegekasse.
In vielen Fällen stellt der Arzt eine Verordnung aus. Anschließend wird das Hilfsmittel bei der zuständigen Kasse beantragt. Bei Pflegehilfsmitteln genügt häufig bereits ein Antrag bei der Pflegekasse.
Wichtig ist, den tatsächlichen Bedarf möglichst genau zu beschreiben. Je nachvollziehbarer die Einschränkungen im Alltag dargestellt werden, desto besser kann die Notwendigkeit beurteilt werden.
Warum sind Hilfsmittel so sinnvoll?
Viele Menschen denken bei Hilfsmitteln zunächst an Krankheit oder Einschränkung. Tatsächlich bedeuten sie oft das Gegenteil: mehr Selbstständigkeit, mehr Sicherheit und mehr Lebensqualität.
Ein Rollator kann beispielsweise dafür sorgen, dass Spaziergänge weiterhin möglich bleiben. Ein Pflegebett erleichtert nicht nur die Pflege, sondern kann auch Schmerzen reduzieren und die Mobilität fördern. Ein Hausnotruf gibt Sicherheit, wenn jemand alleine lebt.
Oft ermöglichen Hilfsmittel sogar, dass Menschen deutlich länger in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung bleiben können.
Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Nicht jeder Antrag wird sofort genehmigt. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Entscheidung endgültig ist. Die Krankenkasse oder Pflegekasse muss eine Ablehnung immer schriftlich begründen.
💡 Wichtig zu wissen:
Gegen einen Ablehnungsbescheid kann Widerspruch eingelegt werden. Dabei lohnt es sich häufig, aktiv zu werden. Nicht selten fehlen der Kasse wichtige Informationen oder Unterlagen, die den tatsächlichen Bedarf ausreichend belegen.
Welche Frist gilt?
Der Widerspruch muss in der Regel innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Bescheids eingereicht werden.
Wer diese Frist versäumt, riskiert, dass die Entscheidung rechtskräftig wird.
Was gehört in einen Widerspruch?
Zunächst genügt ein kurzes Schreiben, beispielsweise:
„Hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid vom … ein.“
Anschließend sollte der Widerspruch ausführlich begründet werden.
Dabei ist es hilfreich:
- die persönliche Alltagssituation genau zu beschreiben
- konkrete Schwierigkeiten zu schildern
- zu erklären, warum das Hilfsmittel benötigt wird
- ärztliche Stellungnahmen beizufügen
- Pflegeberichte oder Empfehlungen des Pflegedienstes vorzulegen
Je konkreter die Auswirkungen auf den Alltag dargestellt werden, desto besser kann die Notwendigkeit nachvollzogen werden.
💡 Unser Tipp: Versenden Sie den Widerspruch möglichst per Einschreiben oder geben Sie ihn persönlich gegen Empfangsbestätigung ab.
👉🏻 Fazit:
Hilfsmittel sind ein wichtiger Baustein, um Pflege zu Hause sicher und möglichst selbstständig zu gestalten. Sie können den Alltag erheblich erleichtern und sowohl Pflegebedürftige als auch Angehörige entlasten.
Sollte ein Antrag einmal abgelehnt werden, lohnt es sich, die Entscheidung genau zu prüfen und gegebenenfalls Widerspruch einzulegen. Viele Ablehnungen können nach einer nachvollziehbaren Begründung und ergänzenden Unterlagen noch erfolgreich korrigiert werden.