Zukunft Hallen- und Freizeitbad Minara
Prüfprozess zur Zukunft des Hallen- und Freizeitbades Minara soll eingeleitet werden
Der Gemeinderat der Stadt Bad Dürrheim wird sich in seiner Sitzung am 25. Juni mit der Zukunft des Hallen- und Freizeitbades Minara befassen. Der Aufsichtsrat der Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim empfiehlt vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Situation der Stadt, die mögliche Einstellung des Badebetriebs ergebnisoffen zu prüfen und hierfür einen strukturierten Prüf- und Beteiligungsprozess einzuleiten. Eine Entscheidung über die Zukunft des Minara wird in dieser Sitzung ausdrücklich noch nicht getroffen.
Finanzielle Herausforderungen erfordern neue Prioritäten
Ausgangspunkt der Beratungen sind die erheblichen finanziellen Herausforderungen, vor denen die Stadt Bad Dürrheim steht. „Unsere Einnahmen reichen nicht mehr aus, um dauerhaft alle Aufgaben und Angebote in der bisherigen Form finanzieren zu können. Deshalb müssen wir verantwortungsvoll entscheiden, welche Leistungen langfristig tragfähig sind – im Interesse der gesamten Stadt und kommender Generationen“, so Bürgermeister Jonathan Berggötz. „Es trifft uns alle sehr, dass wir uns überhaupt mit der Zukunft unseres Hallen- und Freizeitbades Minara so intensiv beschäftigen müssen. Das Minara ist ein wichtiger Ort für Sport, Freizeit, Begegnung und das Schwimmenlernen. Gleichzeitig müssen wir die finanzielle Realität im Blick behalten und die vorhandenen Mittel verantwortungsvoll für die gesamte Stadt einsetzen.“ Schulen, Kinderbetreuung, Infrastruktur, Digitalisierung und Klimaschutz erfordern auch in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen. Steigende Personal-, Energie- und Umlagekosten verschärfen den finanziellen Druck zusätzlich für den kommunalen Haushalt.
Minara verursacht dauerhaft hohe Defizite
Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim setzen bereits seit Jahren umfangreiche Konsolidierungsmaßnahmen um. Prozesse werden optimiert, Investitionen priorisiert und laufende Ausgaben konsequent überprüft. Darüber hinaus werden fortlaufend Maßnahmen zur Erlössteigerung konsequent umgesetzt. Als aktuelles Beispiel zählt hierzu unter anderem die flächendeckende Einführung von Parkplatzgebühren. Dennoch zeigt sich zunehmend, dass einzelne dauerhaft defizitäre Einrichtungen langfristig nicht mehr ohne Weiteres finanziert werden können. Zu diesen Einrichtungen zählt das Hallen- und Freizeitbad Minara. Das Bad weist seit Jahren ein strukturelles Defizit auf und belastet damit die Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim sowie mittelbar den städtischen Haushalt erheblich. Nach aktuellen Berechnungen könnten bei einer Einstellung des Badebetriebs jährlich rund 600.000 Euro eingespart werden.
Die Ursachen für das Defizit liegen vor allem in den hohen Energie-, Wasser- und Betriebskosten, dem erforderlichen Personaleinsatz sowie den bewusst sozialverträglich gestalteten Eintrittspreisen. Hinzu kommen baulich bedingte Kapazitätsgrenzen. Eine kostendeckende Betriebsführung ist – wie üblicherweise bei den kommunalen Hallenbädern in Deutschland – nicht möglich. Dabei gilt das Minara trotz dieser Herausforderungen als wirtschaftlich effizient betrieben. Nach aktuellen Vergleichszahlen des Altenburg-Bäderreports, der Daten von rund 1.000 Bäderbetrieben in Deutschland auswertet, liegt das durchschnittliche jährliche Betriebsdefizit kommunaler Hallenbäder vor Abschreibungen zwischen 800.000 und 1,1 Millionen Euro.
Rahmenbedingungen haben sich deutlich verändert
Bereits vor der umfassenden Sanierung des Minara in den Jahren 2019 bis 2021 war bekannt, dass ein Hallenbad dieser Größe nicht kostendeckend betrieben werden kann. Dennoch wurde die Sanierung damals bewusst beschlossen, um das Hallenbad für die Bevölkerung sowie insbesondere für das Schul- und Vereinsschwimmen langfristig zu erhalten. Seit dieser Entscheidung haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch erheblich verändert. Insbesondere die stark gestiegenen Energie-, Personal-, Material- und Unterhaltungskosten sowie die insgesamt angespannte Haushaltslage stellen die langfristige Fortführung des Betriebs zunehmend infrage. Auch die deutlich gestiegenen Wasserkosten wirken sich spürbar auf die Wirtschaftlichkeit aus. Als einer der größten Wasserabnehmer der Stadt ist die Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim von diesen Entwicklungen besonders betroffen.
Freibad würde Defizit nicht reduzieren
In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder die Frage gestellt, ob zusätzliche Attraktionen oder eine Erweiterung des Angebots die wirtschaftliche Situation verbessern könnten. Häufig wird dabei ein Freibad als mögliche Ergänzung genannt. Auch diese Option wurde geprüft. Nach den vorliegenden Erkenntnissen würde ein Freibad zwar zusätzliche Besucherinnen und Besucher anziehen, der Zuwachs läge jedoch lediglich im Bereich einiger Tausend Gäste pro Jahr. Gleichzeitig würden erhebliche zusätzliche Investitions-, Personal-, Betriebs- und Unterhaltungskosten entstehen. Insgesamt würde sich das jährliche Defizit dadurch erhöhen und nicht verringern.
Transparenter Prüf- und Beteiligungsprozess geplant
Nach intensiven Beratungen im Aufsichtsrat und in der Gesellschafterversammlung der Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim wird dem Gemeinderat nun empfohlen, die Zukunft des Minara ergebnisoffen zu prüfen. „Natürlich würden wir uns alle wünschen, freiwillige Leistungen und Freizeitangebote dauerhaft in vollem Umfang aufrechterhalten zu können. Als Kommune müssen wir jedoch auch die wirtschaftliche Realität berücksichtigen. Gerade deshalb ist es wichtig, die Herausforderungen offen anzusprechen und gemeinsam darüber zu diskutieren, welche Angebote langfristig finanzierbar bleiben können“, erklärt Geschäftsführer Markus Spettel.
Eine endgültige Entscheidung soll erst nach Abschluss des Prüfprozesses getroffen werden. Bis zum 17. Dezember sollen belastbare Entscheidungsgrundlagen erarbeitet werden. Auf dieser Basis soll der Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Jahr 2027 über das weitere Vorgehen entscheiden. Im Mittelpunkt der Prüfung stehen insbesondere die Möglichkeiten zur teilweisen Kompensation des Schul- und Vereinsschwimmens, die finanziellen Auswirkungen verschiedener Szenarien sowie mögliche Nachnutzungsoptionen für das Gelände. Dabei sollen sowohl alternative Betriebsmodelle als auch andere Freizeit-, Tourismus- oder Stadtentwicklungskonzepte untersucht werden.
Öffentliche Informationsveranstaltungen vorgesehen
Der gesamte Prozess soll transparent gestaltet und von einem offenen Dialog mit der Bürgerschaft begleitet werden. Geplant sind öffentliche Informationsveranstaltungen in der Kernstadt sowie in einem Ortsteil.
Sofern der Gemeinderat dem vorgeschlagenen Verfahren zustimmt, findet die erste Informationsveranstaltung am 22. Juli um 18 Uhr im Luisensaal des Kurhauses statt. Eine zweite Veranstaltung ist für den 29. Juli 2026 um 18 Uhr in der Mehrzweckhalle in Oberbaldingen vorgesehen. Ziel der Veranstaltungen ist es, die finanziellen und fachlichen Hintergründe darzustellen, den geplanten Prüfprozess zu erläutern und Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu beantworten.
Mitarbeitende, Schulen und Vereine bereits informiert
Noch vor der öffentlichen Beratung wurden Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitenden der Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim sowie mit den Bad Dürrheimer Schulen und Vereinen geführt. Dazu gehörten insbesondere die DLRG und der SSC Bad Dürrheim. Ziel dieser Gespräche war es, die unmittelbar Betroffenen frühzeitig über die aktuelle Situation, die finanziellen Rahmenbedingungen und das weitere Vorgehen zu informieren sowie einen offenen Austausch zu ermöglichen.