Lebensqualität durch Ranking?
Kommunen brauchen Entwicklungschancen statt Stigmatisierung durch Rankings
Die aktuelle Rangliste des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zur Lebensqualität in deutschen Kommunen darf nicht als abschließendes Urteil über die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinden verstanden werden.
Die Studie bewertet Kommunen anhand ausgewählter Kriterien der Daseinsvorsorge – Bildung, Gesundheit, Mobilität, Digitalisierung und Freizeit – und verdichtet diese zu einem einzigen Rangplatz. Dieser Ansatz kann Hinweise auf infrastrukturelle Unterschiede geben, greift jedoch zu kurz, wenn daraus Aussagen über die tatsächliche Lebensqualität vor Ort abgeleitet werden.
Lebensqualität entsteht nicht allein durch die Anzahl von Angeboten oder deren räumliche Nähe. Sie entsteht ebenso durch sozialen Zusammenhalt, Engagement, Natur, Identifikation mit dem Wohnort, Nachbarschaft, Sicherheit und Perspektiven für Familien, ältere Menschen und junge Generationen.
Gerade ländliche Gemeinden stehen bei solchen Vergleichen strukturell vor anderen Voraussetzungen als Städte. Viele Angebote werden dort regional organisiert und über Gemeindegrenzen hinweg genutzt. Wer ausschließlich innerhalb administrativer Grenzen misst, bildet den Alltag vieler Menschen nur unvollständig ab.
Besonders kritisch ist die öffentliche Wirkung solcher Ranglisten. Wenn Kommunen dauerhaft als „schwach“ oder „Schlusslicht“ dargestellt werden, kann dies Resignation fördern, das Image verschlechtern und Entwicklung erschweren. Aus Analyse darf keine Stigmatisierung werden.
Natürlich müssen Unterschiede bei der Daseinsvorsorge sichtbar gemacht werden – aber mit dem Ziel, gezielt zu unterstützen, nicht zu etikettieren.
Unser Ziel muss sein, allen Kommunen faire Entwicklungschancen zu geben – unabhängig davon, welchen Platz sie in einer Rangliste einnehmen.
Denn ein niedriger Tabellenplatz bedeutet nicht automatisch geringe Lebensqualität – genauso wenig wie ein hoher Platz garantiert, dass Menschen sich dort zuhause fühlen.
Quelle: https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/matthias-diermeier-konrad-doliesen-melinda-fremerey-hendrik-boehmer-jan-felix-engler-jan-wendt-iw-gemeindecheck-wie-gut-ist-meine-gemeinde-versorgt.html