Gruß im Sommer
Gesegnete Sommertage! Viele erfrischende Momente wünsche ich!
Gruß zum Sommer
Sommerzeit, Urlaubszeit, freie Zeit: Der Buchhandel hat Hochsaison. Und egal, ob Liebesschmöker oder Autobiografie: Die Bücher müssen mit. Mit ans Meer, auf den Berg, auf die Wiese, in den Garten, an den Fluss. Die Bücher müssen alles mitmachen. Manche sehen nach dem Ausflug nicht schöner aus als vorher.
„Es ist selten ein Buch ohne Eselsohr.“ Diese Redewendung geht auf den dichtenden Augustinermönch Abraham a Sancta Clara (1644–1709) zurück. Ob er viel gelesen hat oder sei-ne Bücher ramponiert waren – wer weiß. „Es ist selten ein Buch ohne Eselsohr.“ Damit er-klärte der Dichtermönch, dass alle Dinge und Menschen Fehler haben können.
Das Eselsohr ist die umgeknickte Ecke eines Papierblattes. In einem Schulbuch darf man das nicht machen, in öffentlichen Bibliotheken gilt es sogar als Sachbeschädigung. Jeder arme Esel im Streichelzoo muss bei diesem Bild betrübt schauen. Kein Esel weiß, warum er schon wieder als Schimpfwort herhalten muss. Dabei ist an seinem Ohr nichts falsch – und so ein Knick in der Seite ist ja auch hilfreich. Eine Markierung, die sagt: Bis hierhin bin ich im Text gekommen. Eine Wegstrecke ist angezeigt, vielleicht sogar eine Ermunterung weiterzulesen oder -zugehen.
Man kann sich gut überlegen, wo man selbst Eselsohren hinterlassen hat, nicht nur in Büchern, sondern auch auf dem eigenen Lebensweg: So weit bin ich gekommen. Hier die Marke. Und jetzt weiter. Vor allem aber dient das Zeichen dazu, eine Stelle in einem Buch schnell wiederzufinden und von dort weiterzu-kommen.
Hier kommt mir ein Gedanke: Vielleicht, wenn in mir selbst Knicke sind, kann ich sie als Markierungen dafür sehen, dass Gott mich schneller findet und mit mir weiterkommt. Dann hätte der Mönch noch etwas Wichtiges gesagt: Unsere Lebensgeschichte ist trotz aller Knicke niemals ganz auserzählt. Denn Gott legt niemanden ungelesen zur Seite. Einen gesegneten Sommer!
Ihre und Eure Pfarrerin Claudia Engler