Zukunft des Minara: Gemeinsam Lösungen finden
Aus dem Bericht der Sitzung des Gemeinderats vom 25.06.2026
Das Hallen- und Freizeitbad Minara bewegt die Menschen in Bad Dürrheim. Das wurde in der letzten Gemeinderatssitzung eindrucksvoll deutlich. Eltern, Schülerinnen und Schüler, Vereinsvertreter sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger machten deutlich, welchen Stellenwert das Bad für Schwimmunterricht, Vereinsleben und Freizeit hat und verfolgten die Debatte um die Zukunft des Hallenbades, die durch die schwierige finanzielle Lage der Stadt ausgelöst worden war.
Diese Verbundenheit teilen auch der Gemeinderat, Bürgermeister Jonathan Berggötz und Markus Spettel, Geschäftsführer der Kur- und Bäder GmbH. Niemand wünscht sich die Schließung des Minara. Gleichzeitig lässt sich die schwierige finanzielle Situation der Stadt nicht ausblenden. Die Stadt steht aufgrund der angespannten Haushaltslage unter erheblichem finanziellem Druck und muss die Liquidität dauerhaft sicherstellen. Bereits in den vergangenen Monaten mussten schmerzhafte Entscheidungen getroffen werden, von der Verschiebung wichtiger Investitionen bis hin zu Steuererhöhungen und der geplanten Einführung von Parkgebühren. Vor diesem Hintergrund muss auch die Zukunft des Minara ehrlich und verantwortungsvoll betrachtet werden.
Bürgermeister Jonathan Berggötz machte deshalb deutlich, worum es in der aktuellen Diskussion geht: Nicht um die Frage, ob das Hallenbad geschlossen werden soll, sondern darum, wie sein Weiterbetrieb langfristig gesichert werden kann. Sein Ziel sei es, gemeinsam mit der Bürgerschaft tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dabei betonte er auch seine persönliche Verbundenheit mit dem Bad: Als Familienvater wünsche er sich selbstverständlich den Erhalt des Minara, als Bürgermeister müsse er jedoch die finanzielle Verantwortung für die gesamte Stadt tragen.
Auch in den Stellungnahmen der Fraktionen wurde deutlich, dass die Zukunft des Minara nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden soll. Vielmehr bestand große Einigkeit darüber, dass das Hallen- und Freizeitbad für Bad Dürrheim und die gesamte Region von hoher Bedeutung ist, gleichzeitig aber tragfähige finanzielle Lösungen gefunden werden müssen.
Dr. Klaus Götz (Freie Wähler) erinnerte daran, dass sich der Gemeinderat bereits vor elf Jahren intensiv mit der Zukunft des Minara beschäftigt habe. Nach breiter Bürgerbeteiligung habe man sich damals bewusst für die Sanierung entschieden. Weder Pandemie noch stark gestiegene Energiepreise seien absehbar gewesen. Er warb dafür, den nun beginnenden Beteiligungsprozess ergebnisoffen zu führen.
Karen Roeckl (LBU) betonte, dass die Diskussion erst am Anfang stehe. Auch die umliegenden Kommunen müssten aus ihrer Sicht Verantwortung übernehmen, da zahlreiche Schulen und Vereine aus der Region das Minara nutzen. Sie plädierte für eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit über die geplanten Runden Tische.
Regine Mäder (CDU) verwies auf ihr langjähriges Engagement für den Erhalt des Minara und zeigte sich besonders beeindruckt von den Wortmeldungen der Kinder und Jugendlichen. Sie rief dazu auf, sich aktiv in den weiteren Prozess einzubringen.
Für die CDU begrüßte Pascal Wölfle das vorgeschlagene Vorgehen und betonte: „Wenn es sich finanziell irgendwie darstellen lässt, setzen wir uns für die Weiterführung des Badebetriebs ein. Das Defizit zu reduzieren, ist unser gemeinsames Ziel.“ Außerdem sprach sich Wölfle für eine intensive Sponsorensuche aus.
Wolfgang Kaiser (LBU) regte an zu prüfen, ob im Zuge eines möglichen Neubaus des Solemar ein zusätzliches Schwimmerbecken entstehen könnte. Die Sanierung des städtischen Haushalts dürfe jedoch nicht allein über das Minara erfolgen. Vielmehr müssten auch alle anderen größeren Investitionen auf den Prüfstand gestellt werden, so der LBU-Stadtrat.
Dr. Andrea Kanold (FDP) sprach sich dafür aus, alle Vorschläge aus der Bürgerschaft aufzunehmen und die Bevölkerung eng in den weiteren Prozess einzubinden.
Can Zileli (SPD) machte deutlich, dass die Entscheidung über die Zukunft des Minara nicht allein anhand der wirtschaftlichen Kennzahlen getroffen werden dürfe. Das Bad gehöre zur kommunalen Daseinsvorsorge und sei insbesondere für Familien und Kinder unverzichtbar. Gerade für das Schwimmenlernen gebe es keine gleichwertige Alternative. Zugleich appellierte er an die Bürgerinnen und Bürger, das Minara verstärkt zu nutzen: „Das Ganze lebt von den Besuchern.“
In der Sitzung meldete sich auch die junge Schwimmerin Emma zu Wort und fragte: „Was ist Ihnen die Zukunft von Kindern wert, wenn Sie sogar das Minara schließen wollen?“ Der Satz brachte die Sorgen vieler Familien auf den Punkt und sorgte für einen stillen Moment im Sitzungssaal.
Auch die Vereine unterstrichen die Bedeutung des Bades deutlich. Kinder und Jugendliche des Schwimm- und Skiclubs trainieren bis zu dreimal pro Woche im Minara. Trainerin Annekathrin Holthuis fragte, ob alle Möglichkeiten zur Kostensenkung geprüft würden. Kurgeschäftsführer Markus Spettel verwies auf laufende Optimierungen, zugleich aber auf deutlich gestiegene Kosten für Energie, Personal und Instandhaltung. Die Besucherzahlen seien zudem von rund 145.000 im Jahr 2001 auf etwa 45.000 bis 50.000 gesunken.
Deutlich wurde außerdem die große Bedeutung des Minara für die Bildungslandschaft der Region. Insgesamt neun Schulen nutzen das Bad regelmäßig für den Schwimmunterricht, darunter drei Schulen aus Bad Dürrheim sowie weitere Schulen aus den umliegenden Städten und Gemeinden. Deshalb soll nun auch das Gespräch mit den Nachbarkommunen gesucht werden. Wenn das Minara eine regionale Aufgabe erfüllt, müsse auch über eine regionale Mitverantwortung gesprochen werden.
In der wirtschaftlichen Bewertung wurde deutlich: Eine Schließung würde Stadt und Kur- und Bäder GmbH jährlich rund 600.000 Euro einsparen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass kommunale Hallenbäder bundesweit nahezu überall defizitär arbeiten und das Minara im Vergleich sehr wirtschaftlich betrieben wird. Während das Solemar zur Stabilisierung beiträgt, benötigt auch das Hallenbad, wie die meisten öffentlichen Bäder, dauerhaft Zuschüsse. Falls es im Rahmen einer Lösungsfindung durch einen Trägerverein oder Investor zum Weiterbetrieb kommen sollte, sollen sich die laufenden Kosten auf städtischer Seite lediglich auf 200.000 Euro im Jahr belaufen.
Der weitere Prozess soll gemeinsam mit der Bürgerschaft gestaltet werden. Deshalb finden in den kommenden Wochen zwei öffentliche Informationsveranstaltungen statt: am 22. Juli im Luisensaal des Restaurant 15 (ehemals Kurhaus) sowie am 29. Juli in der Mehrzweckhalle Oberbaldingen, jeweils um 18 Uhr. Im Rahmen der Informationsveranstaltung werden Herr Berggötz und Herr Spettel die finanzielle Ausgangslage, den aktuellen Stand des Minara sowie mögliche Zukunftsperspektiven transparent und ausführlich darstellen. Gleichzeitig besteht Gelegenheit für Fragen und Austausch.
Die Botschaft der Sitzung ist klar: Bad Dürrheim möchte das Minara erhalten. Damit dies gelingt, braucht es die Bereitschaft aller Beteiligten, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam neue Wege zu gehen. Dafür hat der Gemeinderat nun den Startschuss gegeben.
Nachfolgender Beschluss wurde einstimmig gefasst:
Der Gemeinderat der Stadt Bad Dürrheim beschließt:
1)
Die Weiterführung des Hallen- und Freizeitbads Minara vor dem Hintergrund der gesamtstädtischen finanziellen Rahmenbedingungen zu prüfen und hierfür einen strukturierten Prüf- und Beteiligungsprozess einzuleiten. Eine abschließende Entscheidung wird zu diesem Zeitpunkt nicht getroffen.
2)
Die Geschäftsführung der Kur- und Bäder GmbH wird in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung beauftragt, einen moderierten Beteiligungsprozess für die Bürgerschaft sowie betroffene Vereine und Schulen zu organisieren und danach eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten.
Ziel ist eine deutliche und nachhaltige wirtschaftliche Entlastung der Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim und des städtischen Haushalts gegenüber dem bisherigen Betrieb.
Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu prüfen und darzustellen:
- Möglichkeiten zur teilweisen Kompensation des Schul- und Vereinsschwimmens (z. B. durch Kooperationen mit Kliniken oder benachbarten Einrichtungen)
- Prüfung einer möglichen finanziellen Beteiligung benachbarter Kommunen im Falle eines Weiterbetriebs
- Prüfung der Umsetzung von realisierbaren Ideen aus der Bürgerbeteiligung
- Darstellung der finanziellen Auswirkungen sowie Prüfung möglicher Rückforderungen von Fördermitteln
- Entwicklung und Bewertung tragfähiger Nachnutzungsszenarien, insbesondere:
- Übergang an einen Trägerverein oder privaten Investor(bei einem dauerhaft tragfähigen städtischen Zuschuss von maximal 200.000 € jährlich)
- Teilumnutzung für Freizeit- oder touristische Angebote
- Rückbau und Entwicklung alternativer Nutzungen(z. B. Wohnen oder Grünflächen)
3)
Der Prozess ist transparent zu begleiten. Hierzu sind insbesondere Informationsveranstaltungen in der Kernstadt sowie in einem Ortsteil durchzuführen. Ziel ist es, die Ausgangslage nachvollziehbar darzustellen und den Dialog zu ermöglichen.
4)
Der Gemeinderat trifft im Rahmen der Haushaltsberatungen 2027 sowie der Verabschiedung des Wirtschaftsplans der Kur- und Bäder GmbH am 17. Dezember 2026 ein Zwischenfazit über die zukünftige Ausrichtung des Hallen- und Freizeitbads Minara auf Grundlage der bis dahin erarbeiteten Ergebnisse und der finanziellen Rahmenbedingungen. Die Zwischenfinanzierung im Hinblick auf die Liquidität der Stadt sowie der Kur- und Bäder GmbH ist im Blick zu behalten.
Eine abschließende Entscheidung ist bis spätestens Juni 2027 zu treffen.