Stadt Diemelstadt fordert Alternativplanung für Stromtrasse Rhein-Main-Link

Die Stadt Diemelstadt spricht sich entschieden gegen die derzeit geplante Trassenführung des rund 600 Kilometer langen Stromprojekts „Rhein-Main-Link“ aus und fordert eine ernsthafte Prüfung einer gemeinsam erarbeiteten Alternativroute zum Wohle der Bevölkerung.


Die Trasse, die Strom aus Windenergieanlagen in der Nordsee in das Rhein-Main-Gebiet und weiter nach Süddeutschland transportieren soll, verläuft nach aktueller Planung durch die Gemarkung der Stadt Diemelstadt. Besonders betroffen sind die Ortschaften Ammenhausen, Dehausen und Laubach. Nach Auffassung der Stadt führt die gewählte Trassenführung zu erheblichen Belastungen für die Bevölkerung, die Landwirtschaft sowie die Umwelt.


Die Stadt kritisiert insbesondere, dass die Entscheidung der Bundesnetzagentur getroffen wurde, ohne die vor Ort eingebrachten Stellungnahmen ausreichend zu berücksichtigen. Sowohl der NABU, die Ortsbeiräte der betroffenen Stadtteile, landwirtschaftliche Betriebe, die Jagdgenossenschaft, der Landkreis Waldeck-Frankenberg mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde, das Amt für Bodenmanagement und das Regierungspräsidium Kassel hatten sich gemeinsam mit der Stadt für eine alternative Trassenführung ausgesprochen. Diese Variante wird vor Ort breit unterstützt, ist kürzer, schont die Umwelt und reduziert die Belastungen für die Bevölkerung deutlich.


Ein weiterer Kritikpunkt ist die erhebliche Beeinträchtigung eines laufenden Flurbereinigungsverfahrens, das durch die derzeitige Planung zerschnitten würde und daher aktuell nicht fortgeführt werden kann. Auch geplante Renaturierungsmaßnahmen an einem Gewässer müssen auf unbestimmte Zeit verschoben werden.


„Wir sind sehr erschrocken und verärgert darüber, dass über die Köpfe der örtlichen Bevölkerung und der kommunalen Politik hinweg entschieden wurde“, erklärt Bürgermeister Andreas Fritz. „Wenn selbst konstruktiv erarbeitete Alternativen keine angemessene Berücksichtigung finden, wirft das grundsätzliche Fragen zur Beteiligungskultur auf.“ Aus Sicht der Stadt hätte eine frühzeitige Einbindung in die Planungen dazu beitragen können, die Vorteile einer westlich gelegenen, landschaftsschonenderen Trassenführung frühzeitig aufzuzeigen.


Besonders kritisch wird die geplante Trassenführung auch aus landwirtschaftlicher Sicht bewertet. Im betroffenen Talbereich dominieren schwere und feuchte Lehmböden, bei denen durch die Baumaßnahmen langfristige Schäden an der Bodenstruktur zu befürchten sind. Demgegenüber würde eine weiter westlich gelegene Trasse über sandigere Böden verlaufen, die deutlich besser für Bauarbeiten geeignet sind und geringere Umweltauswirkungen erwarten lassen.


Die Stadt Diemelstadt betont, dass die Energiewende nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn sie vor Ort auf Akzeptanz trifft. Dazu sei es notwendig, die Belange von Kommunen, Anwohnern und der Landwirtschaft angemessen zu berücksichtigen und echte Mitgestaltung zu ermöglichen.


Die Stadt Diemelstadt kündigt an, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um eine für Mensch und Umwelt verträglichere Lösung zu erreichen. „Das ist für uns gelebte Demokratie“, so Bürgermeister Fritz abschließend.


Seitens des Netzbetreibers Amprion wurde im Rahmen von Gesprächen betont, dass Ziel des Genehmigungsverfahrens ein raum- und umweltverträglicher Trassenverlauf sei. Die Stadt Diemelstadt erwartet, dass diesem Anspruch im weiteren Verfahren auch tatsächlich Rechnung getragen wird und es sich bei den Aussagen nicht nur um reine Worthülsen handelt.

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Stadtverwaltung Diemelstadt veröffentlicht.