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Von der sonnigen Bergstadt auf die großen Bühnen

Ein Künstlerportrait über Matthäus Zaborszyk

von Cheyenne Christmann


„Wir brauchen dringend noch jemanden, der im Stück mitspielt!“ Die Geschichtslehrerin sieht sich hoffnungsvoll im Klassenzimmer des Gymnasiums um. Stille und ratlose Gesichter. „Matthäus, hast du nicht Lust Mal vorbeizuschauen?“ Der Junge mit den hellen, langen Locken nickt. Damals ahnte Matthäus Zaborszyk noch nicht, dass er sich „Hals über Kopf“ in das Theater verlieben würde.


Heute steht der 31-Jährige St. Georgener fast täglich im Stadttheater in Fürth auf der Bühne. Mit der Rolle als Butler im Stück „Der Besuch der alten Dame“ wurde 2012 im Theater im Deutschen Haus der Grundstein für seine Schauspiel-Karriere gelegt. Nostalgisch blickt Zaborszyk auf diese Anfänge zurück: „Eigentlich wollte ich Architekt werden. Aber Mathe liegt mir nicht so gut und dann hat mich das Theater gepackt.“ Nach dem Schulabschluss beschäftigte ihn vor allem die Frage, wie er diese Leidenschaft zum Beruf machen kann. Der “klassische“ Weg führt dabei durch die Ausbildung an einer Schauspielakademie. Die meisten Schauspielschulen haben strenge Aufnahmeprüfungen, die oft in zahlreichen Runden strukturiert sind und mehrere Tage andauern können. Auch Zaborszyk hat an mehreren Schulen für einen Platz vorgesprochen. Die Eignung wird nicht nur durch das Vorsprechen von klassischen und modernen Monologen, sondern auch durch die Feststellung von Gesangsfähigkeiten und dem Körpergefühl geprüft. Für den Künstler hat es schließlich in Wien geklappt. „Keine schlechte Fügung für jemanden, der auch an Architektur interessiert ist“, wie er schmunzelnd erzählt. Am Max-

Reinhard-Seminar wurde er in verschiedenen Disziplinen auf die Arbeit als Schauspieler vorbereitet und schloss das Studium 2023 mit dem Magister ab.


Theater ist für ihn mehr als nur auf der Bühne zu stehen. Es ist die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Bereiche und Interessengebiete kennenzulernen. Oft sind das Hobbys oder Berufe mit denen er sonst nicht in Kontakt kommen würde. „Einmal durfte ich in einem Kurzfilm einen Friseur spielen, der gerne Krimi-Podcasts hört und aus Versehen einen Mord begangen hat“, erzählt er lachend. Hier stünden zuerst die Hintergrundrecherchen zu den genauen Handgriffen des Friseurs an. „Schließlich möchte ich den Beruf akkurat darstellen“, erklärt Zaborszyk. „Dann kommt das Interesse der Rolle an den Krimi-Podcasts dazu, also sollte ich dort reinhören. Schlussendlich muss ich mich mit der emotionalen Ebene des Charakters beschäftigen, mit der Tollpatschigkeit und Rea-

lisation, dass er gerade einen Mord begangen hat.“ Diese Vorbereitungen sind häufig sehr zeitintensiv, vor allem wenn die eigene Erwartungshaltung hoch ist. Auch aus diesen Gründen ist er dankbar, sich als junger Mensch ohne Druck in Schultheaterstücken oder als Bruchpilot „Oleg“ im ersten eigenen Comedy-Debüt 2019 in St. Georgen ausprobiert haben zu können. „Ob München, Berlin oder Wien: Wenn ich dort angefangen hätte, wäre ich wahrscheinlich nie zum Theater gekommen“ erläutert Zaborszyk nachdenklich. Die dortigen Theaterhäuser und Institutionen seien im Allgemeinen eher elitär geprägt. Im Theater im Deutschen Haus hingegen herrsche ein anderes Miteinander. Anstelle von klassischen Hierarchien würde es sich durch seine Offenheit und nahbaren Strukturen auszeichnen: „Der Zugang und das Wissen, dass man scheitern und darauf aufbauen kann, hat mir im Studium unglaublich viel geholfen“. Er beschreibt das Theater als eine Art Schutzraum, in dem sich Jugendliche kreativ ausprobieren können. Auch in den Theater-Workshops für Kinder und Jugendliche in Fürth, in welchen Zaborszyk schon Teil der Leitung war, helfen ihm diese Erfahrungen. Durch diese Erinnerungen weiß er mit den Hemmungen der Teilnehmenden umzugehen. „Ich weiß, wie sich das anfühlt, dort zu stehen und zu versuchen, den Text entsprechend rüberzubringen. Das Ganze ist eine Reise“, meint er lachend.

Wo sieht sich Zaborszyk in 5 Jahren? Die Frage ist aufgrund der vielen Eigenheiten in diesem Berufsfeld sehr schwer zu beantworten. „Das kann ich so genau gar nicht sagen. Schön wäre natürlich weiterhin auf der Bühne. Ich würde auch gerne etwas mehr Richtung Film gehen“. In Zaborszyks optimistischem Lachen schwingt ein Hauch von Besorgnis mit.

Denn auch unter dem Blickwinkel der Finanzierung wird deutlich, dass die Schauspiel-Reise (oder der Marathon wie es Zaborszyk’s Dozierende genannt hätten) nicht einfach ist. Die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen lassen Kulturschaffende nervös werden. Viele Kultureinrichtungen kämpfen auch Jahre nach der Pandemie mit finanziellen und strukturellen Herausforderungen. Gleichzeitig stehen Bund und Länder unter angespannten Haushalten und Sparzwang. Für viele Theater und Museen unterstreicht dies eine finanziell unsichere Zukunft.

Der Glaube an die große Karriere als Filmstar, an schnellen Ruhm und finanziellen Reichtum ist somit nicht die bes te Voraussetzung für den Beruf. Dennoch, wer Schauspieler oder Schauspielerinwerden möchte, sollte sich nicht entmutigen lassen. Entgegen dem verbreiteten Vorurteil muss man kein Weltstar sein, um das Schauspiel ernst zu nehmen und von dem Beruf gut leben zu können. „Wenn du das wirklich willst, dann klemm‘ dich dahinter“, ermutigt Zaborszyk enthusiastisch. Er möchte jungen Menschen vor allem eines mit auf die besagte Reise geben: „Es ist nicht einfach, aber die Leidenschaft kann man immer ausleben.“

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Theater im Deutschen Haus veröffentlicht.