Sanierung der Schachtrupp-Villa: Kosten steigen erneut
Bereits im vergangenen Jahr musste der Kostenrahmen für die Schachtrupp-Villa aufgrund erheblicher, erst im Zuge der Bauarbeiten festgestellter Schäden und zusätzlicher Anforderungen, angepasst werden. Insbesondere der massive Befall mit echtem Hausschwamm, notwendige zusätzliche Arbeiten an Fachwerk, Deckenkonstruktionen, Gebäudesockel und Dachstuhl sowie zusätzliche Schadstoffsanierungen hatten zu erheblichen Mehraufwendungen geführt.
Nun sind für die weitere Sanierung weitere 750.000 Euro notwendig. Die zusätzlichen Mittel werden überplanmäßig bereitgestellt.
Weitere Kostensteigerungen durch bekannte Bauzeitenverzögerungen und Preisentwicklung
Der zusätzliche Mittelbedarf ergibt sich dabei nicht aus einer einzelnen großen Kostenposition, sondern ist auf eine Vielzahl durch einzelne Gewerke geltend gemachte Mehrkosten zurückzuführen. Gründe hierfür sind insbesondere die bekannten Bauzeitenverzögerungen, gestiegene Einkaufspreise, höhere Personal- und Materialkosten sowie Massenmehrungen.
Die bereits bekannten Verzögerungen im Bauablauf wiegen dabei besonders schwer. Sie entstanden unter anderem durch zusätzliche Arbeiten an der historischen Bausubstanz, notwendige denkmalpflegerische Abstimmungen sowie komplizierte öffentliche Ausschreibungs- und Vergabeverfahren. Gerade bei spezialisierten Arbeiten standen zudem teilweise nur wenige geeignete Fachunternehmen zur Verfügung. Die verlängerte Bauzeit führt jetzt erneut zu Folgekosten. Diese ergeben sich insbesondere durch die längere Vorhaltung der umfangreichen Baustelleneinrichtung und seitens der Gewerke geltend gemachte so genannte Behinderungsmehrkosten.
Hinzu kommen die allgemeinen Preissteigerungen bei Bauleistungen, Materialien und Personal, die sich auch auf die Projektkosten auswirken.
Die Vielzahl der miteinander verbundenen Faktoren führt auch dazu, dass sich der Finanzmittelbedarf erst während des Bauverlaufs fortlaufend konkretisiert. Da einzelne Kostenentwicklungen erst nach Abschluss entsprechender Leistungen abschließend bewertet werden können, ist eine belastbare Prognose der Gesamtkosten zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin nur eingeschränkt möglich. Ein weiterer Finanzmittelbedarf für das Projekt Schachtrupp-Villa kann daher nicht ausgeschlossen werden.
Mittelbereitstellung
Zur Deckung des zusätzlichen Mittelbedarfs sollen zunächst vorhandene Investitionsmittel umgeschichtet werden. Das Investitionsvolumen der Stadt Osterode am Harz für das Haushaltsjahr 2026 verändert sich durch die vorgesehene Mittelverschiebung in Höhe von 750.000 Euro nicht. Es erfolgt lediglich eine Verschiebung von Mitteln zwischen Teilhaushalten. Die erforderlichen Deckungsmittel müssen allerdings im Rahmen der Aufstellung eines Nachtragshaushaltsplans wieder für die ursprünglich vorgesehenen Investitionsmaßnahmen bereitgestellt werden.
„Viele Bürgerinnen und Bürger werden jetzt sagen: Das kann doch nicht wahr sein – schon wieder wird die Schachtrupp-Villa teurer. Ich kann diese Reaktion gut nachvollziehen und möchte die Entwicklung nicht schönreden. Wir müssen jetzt weitere 750.000 Euro aus dem städtischen Haushalt bereitstellen. Das ist eine erhebliche Summe. Gleichzeitig haben wir bereits viele Millionen in die Schachtrupp-Villa investiert. Deshalb steht für mich außer Frage, dass wir das Projekt jetzt auch zu Ende bringen müssen. Die Mehrkosten, die sich im letzten Jahr summiert haben, wurden von den bauausführenden Firmen geltend gemacht – unter anderem aufgrund von Bauzeitenverzögerungen, gestiegenen Einkaufs-, Personal- und Materialkosten sowie Mehrmengen. Erst die Summe der einzelnen Posten ergibt die zusätzliche Belastung von 750.000 Euro. Leider kann zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Kosten noch einmal weiter steigen könnten. Natürlich wäre es ein Stück weit weniger unangenehm, eine solche Nachricht zu einem späteren Zeitpunkt zu verkünden. Aber auch in Zeiten einer Kommunalwahl muss Politik transparent sein. Die Entwicklung ist für uns alle bitter. Aber wir tragen Verantwortung für das, was bereits in dieses Projekt investiert wurde. Deshalb hat sich der Stadtrat einstimmig dazu entschlossen, die weiteren Mittel für die Sanierung der Schachtrupp-Villa bereitzustellen,“ so Bürgermeister Jens Augat.
Baufortschritte
Trotz der weiterhin bestehenden Herausforderungen schreiten die Arbeiten an der Schachtrupp-Villa gut voran. Ein weiterer sichtbarer Meilenstein steht unmittelbar bevor: Anfang September soll das verbleibende Gerüst am Gebäude vollständig entfernt werden. Damit wird die sanierte historische Fassade endgültig wieder vollständig sichtbar.
Auch im Inneren des Gebäudes sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Im Dachgeschoss sind die Dielenbeläge fertiggestellt. Als nächste Schritte folgen die Wärmedämmung und der Gehbelag. Im Obergeschoss werden derzeit die Höhenausgleichskonstruktionen für den späteren Dielenbelag vorbereitet.
Im zentralen Treppenraum laufen die Restaurierungsarbeiten. Die Arbeiten im Obergeschoss sind bereits abgeschlossen, derzeit wird im Erdgeschoss gearbeitet. Parallel dazu werden Malerarbeiten sowie die Farbbeschichtung von Geländern und Handläufen der Wendeltreppe ausgeführt. Im Anschluss folgen unter anderem die Endbeschichtung der Nordfassade und die Bodenbeschichtung im Eingangsbereich des Sockelgeschosses. Auch die Verglasung am Aufzugsschachtgerüst steht kurz vor dem Abschluss. Darüber hinaus beginnen im September die Arbeiten an den Außenanlagen.
Damit wird zunehmend sichtbar, dass sich das Projekt trotz der bestehenden Herausforderungen in Richtung Fertigstellung bewegt. Die Schachtrupp-Villa soll nach Abschluss der Sanierung als moderne Stadtbibliothek einen zentralen Ort für Bildung, Kultur und Begegnung in Osterode am Harz bilden.