„Adelebsen darf nicht zum Industriepark werden“
Pressemitteilung
Windkraft und PV-Planung: FDP fordert Kurskorrektur – „Adelebsen darf nicht zum Industriepark werden“
Adelebsen. Die FDP-Kreistagsfraktion Göttingen fordert eine grundlegende Überarbeitung des Teilplans Wind. Besonders die geplante Flächenkonzentration rund um Adelebsen und Barterode sorgt bei den Freien Demokraten für Kritik.
„Wir sind nicht gegen die Energiewende – wir sind gegen eine Energieplanung ohne Augenmaß“, erklärt die FDP-Kreistagsfraktion. Die FDP habe sich deshalb im Landkreis konsequent dafür eingesetzt, bis 2027 bedarfsgerecht 0,9 Prozent der Landkreisfläche für Windenergie auszuweisen, statt vorsorglich immer weitere Flächen zu verplanen.
„Adelebsen darf nicht zum Industriepark werden“
Nach den vorliegenden Planungen weist Adelebsen eine rund 40 Prozent höhere Windkraftplanungsfläche als andere Kommunen im Landkreis auf. Gleichzeitig grenzen weitere geplante Flächen auf Göttinger Gebiet an – unter anderem rund 134 Hektar bei Esebeck und 85 Hektar vor Barterode.
„Formal mögen diese Flächen zu unterschiedlichen Kommunen gehören. Für die Menschen vor Ort ist das völlig unerheblich. Sie sehen keine Verwaltungsgrenzen, sondern Windkraftanlagen, Freiflächen-PV und die zunehmende Veränderung ihrer Landschaft“, so die FDP.
Die Gefahr sei eine großräumige Verdichtung von Windenergieanlagen rund um Adelebsen. Zusammen mit einem möglichen weiteren Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik drohe ein regelrechtes Flächenmeer der Energieerzeugung.
„Aus einem attraktiven Wohn- und Lebensort darf kein Industriepark der Energiewende werden.“
Umweltbericht nennt selbst zahlreiche Konflikte
Besonders kritisch bewertet die FDP, dass der Umweltbericht selbst erhebliche Auswirkungen im Bereich Adelebsen benennt. Betroffen seien unter anderem:
- Bevölkerung und Gesundheit,
- Arten- und Biotopschutz,
- Biotopverbund,
- Landschaftsbild und
- Wasserschutz.
Das Gebiet liegt zudem nahezu vollständig in der Wasserschutzzone III „Gronespring“.
„Wenn ein Umweltbericht selbst eine hohe Konfliktdichte beschreibt, muss die Politik diese Erkenntnisse ernst nehmen. Dann kann die Antwort nicht automatisch lauten: Wir weisen trotzdem noch mehr Fläche aus“, kritisiert die FDP.
Artenschutz darf nicht an Gemeindegrenzen enden
Auch beim Artenschutz sieht die FDP erheblichen Nachbesserungsbedarf. Auf der Dransfelder Hochebene befindet sich ein gutachterlich bestätigtes Rotmilan-Dichtezentrum. Zudem verlaufen Jagd- und Lebensräume von Vögeln und Fledermäusen über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinweg.
Die FDP fordert deshalb eine gemeinsame, grenzüberschreitende Artenschutzprüfung.
„Ein Rotmilan kennt keine Gemeindegrenze. Eine Fledermaus auch nicht. Warum sollte die Planung so tun, als wäre es anders?“
Veraltete Daten aktualisieren:
Die FDP kritisiert außerdem die teilweise veraltete Datengrundlage. Vogel- und Fledermausdaten stammten teilweise aus den Jahren 2016 bis 2019.
„Bei einer Planung, die unsere Landschaft und Energieinfrastruktur über Jahrzehnte prägen soll, brauchen wir aktuelle Daten. Wir erwarten eine Aktualisierung mindestens bis 2024 und eine realistische Betrachtung moderner Anlagenhöhen und ihrer kumulativen Auswirkungen.“
Bürgerbeteiligung muss transparent sein:
Auch das Beteiligungsverfahren müsse aus Sicht der FDP verbessert werden.
Bei der zweiten Auslegung sei zunächst vermittelt worden, Stellungnahmen seien nur zu den geänderten Flächen möglich. Tatsächlich konnten Stellungnahmen zu allen Flächen abgegeben werden. Diese Information sei aus Sicht der FDP nicht ausreichend öffentlich korrigiert worden.
Die Forderung der FDP: erneute Auslegung und Verlängerung der Beteiligungsfrist.
„Wer die Akzeptanz der Energiewende will, muss die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an ernst nehmen. Transparenz ist keine lästige Formalie, sondern Voraussetzung für Vertrauen.“
Adelebsen leistet bereits heute einen erheblichen Beitrag:
Nach den vorliegenden Angaben werden in Adelebsen bereits heute rund 20 Millionen kWh erneuerbarer Strom pro Jahr erzeugt.
„Adelebsen hat seinen Beitrag zur Energiewende nicht nur angekündigt, sondern längst geleistet. Jetzt ist es Zeit, über die Belastungsgrenzen eines Ortes zu sprechen.“
Gleichzeitig sollten alternative und ergänzende Energiepotenziale stärker betrachtet werden. Dazu könne auch die Prüfung von Geothermiepotenzialen gehören.
Die FDP-Kreistagsfraktion fordert deshalb:
- 0,9 Prozent bis 2027 bedarfsgerecht ausweisen.
- Besonders konfliktbelastete Flächen, insbesondere Adelebsen/Barterode, reduzieren.
- Artenschutz grenzüberschreitend betrachten.
- Veraltete Vogel- und Fledermausdaten aktualisieren.
- Windkraft, Freiflächen-PV und Repowering in ihrer Gesamtwirkung betrachten.
- Realistische Anlagenhöhen und kumulative Auswirkungen berücksichtigen.
- Wasser-, Landschafts-, Arten- und Bevölkerungsschutz stärken.
- Eine erneute und transparente Bürgerbeteiligung ermöglichen.
- Den Teilplan Wind grundlegend überarbeiten.
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FDP: Energiewende ja – aber mit Augenmaß
„Wir wollen die Energiewende. Aber wir wollen sie so gestalten, dass sie dauerhaft Akzeptanz findet. Eine erfolgreiche Energiepolitik darf nicht bedeuten, dass einzelne Orte immer weitere Belastungen übernehmen, während Umweltberichte, Bürgerinteressen und kumulative Auswirkungen nicht ausreichend berücksichtigt werden.“
Adelebsen soll Wohnort bleiben. Die Energiewende braucht Leistung – aber auch Grenzen, Augenmaß und Akzeptanz.
V.i.S.d.P.
FDP KT Fraktion Göttingen