Mimikry, Tasty Biscuits – ein Auftakt, der Lust auf mehr macht
Großartiger Spielzeitauftakt im Theater im Deutschen Haus in St.Georgen
Von Ute Scholz
Zu Beginn dieser kleinen Nachbetrachtung möchte ich die Leserschaft fragen: Haben Sie am vergangenen Samstag die Veranstaltung „Mimikry, Tasty Biscuits“ im Theater im Deutschen Haus besucht? Nein? Dann bin ich geneigt, Ihnen zuzurufen: „Sie haben was verpasst! Ernsthaft? Ja, ernsthaft.“ Denn diese „schmackhaften Kekse“, die dem Publikum im „Deutschen Haus“ vorgesetzt wurden, waren einzigartig – in jeder Hinsicht.
Das Duo Elias und Nicolas, das eigentlich, ergänzt durch die Technikerin Paula ein Trio ist, reist mit der Bahn an, die Koffergröße übersichtlich, und schon der Aufbau zeigt: Es steckt mehr drin, als man vermutet. Da bauen sich auf der Bühne Paravents auf, Kostüme werden dahinter zurechtgelegt und Paula nimmt das Theater und vor allem seine Technik in ihren Besitz. Scheinwerfer werden neu justiert, das Lichtpult mit den Lichtszenen des Abends programmiert, während die beiden Hauptakteure ganz entspannt die Atmosphäre des schönen Saals auf sich wirken lassen. Sie berichten vom Vorabend, von der Anreise mit Bus und Bahn und freuen sich über die klassische Bühne, die in Kürze von ihnen erobert werden wird, wo das Publikum schön nah dran ist und alles sehen kann. Sie gönnen sich noch einmal etwas Entspannung, während Paula fröhlich ihrem Job nachgeht und bei den Veranstaltern die Vorfreude mit jeder Minute steigt.
Der Saal ist gut gefüllt, auch wenn durchaus noch Platz für weitere Gäste wäre – beim Publikum ist eine gespannte Erwartung zu spüren und man kann es förmlich greifen, dass viele Besucher sich fragen: Was kommt da heute Abend? Kann man da wirklich lachen? Komik, ohne Worte?
Der Abend beginnt mit Worten – allerdings geschriebenen Worten, nicht gesprochenen – und die Botschaft ist klar: Haben Sie Spaß, wir wollen Sie begeistern, applaudieren Sie, laut und mit Freude. Und so kommt es auch. Das Duo überzeugt mit jeder Geste, die beiden studierten Pantomimen beherrschen ihre Körpersprache perfekt und sie zaubern Illusionen und Bilder auf die Bühne.
Das Publikum erlebt, wie auch ein „Superman“ mit Zahnschmerzen Todesängste beim Zahnarzt durchstehen muss, eine Zaubershow mit Messerwurf, in deren Verlauf die Assistentin diese Show eindeutig rettet und dennoch ein Messer nicht in die Wand hinter ihr, sondern zielsicher ihren Oberschenkel trifft. Bitterbösen Humor, ja, schwarze Satire zelebrieren die beiden Künstler in ihrem Theaterspiel – ganz wortlos und doch pointiert, punktgenau unterstrichen von Licht und Ton, die das Spiel auf der Bühne perfektionieren.
Wer hätte gedacht, was sich beim Bestatter so abspielt, wenn der Anruf über den nächsten Kunden und den Bericht über dessen Ableben eintrifft? Niemals zuvor war ein Tod in der Badewanne so köstlich, humorig nachzufühlen.
Sie brennen ein Feuerwerk ab auf der Bühne, der Abend rast in Geschwindigkeit dahin und gipfelt mit dem Barbesuch eines Pärchens, die sich wortlos dem Tanz hingeben. Das Publikum ist hingerissen und begeistert und nahezu erschüttert, als Elias zum Ende der Show dann noch die Stimme erhebt und der Abend mit einem schlicht gesprochenen „Danke“ sein Finale findet.
Zurecht erhalten die beiden für diese grandiose Vorstellung stehende Ovationen, und der Applaus, der ihnen entgegenbrandet, mag überhaupt nicht enden.
Und ich möchte noch einmal auf meine Ausgangsfrage zurückkommen: Haben Sie „Mimikry, Tasty Biscuits“ im Theater im Deutschen Haus erlebt? Ja? Dann werden Sie mir zustimmen: Dieser Auftakt in die neue Spielzeit des kleinen Kulturhauses an der Mühlstraße war fulminant und einzigartig und macht Lust darauf, mehr zu erleben. Und man darf hoffen, dass es mit diesem Duo, was ja eigentlich ein Trio ist, ein Wiedersehen auf der kleinen Bühne an der Mühlstraße gibt – und Sie sich dieses Gastspiel dann nicht entgehen lassen.