Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR)
Fördermittel für drei private Wohnprojekte in Bad Dürrheim beantragt
Im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) werden Fördermittel für drei private Wohnprojekte in Bad Dürrheim von insgesamt rund 260.000 € für das Jahr 2027 beantragt. Die Investitionssumme beträgt insgesamt mehr als 2.000.000 €.
Am 23. September 2026 fand in Sunthausen das diesjährige Forum Innenentwicklung statt. Ortsvorsteher Albert Scherer und Fachbereichsleiter Markus Stein begrüßten die Mitglieder des Forums Innenentwicklung, Stadtbaumeisterin Petra Schmidtmann sowie einige Gäste.
Erfolgreiche Innenentwicklung in Sunthausen
Zum Auftakt führte ein Ortsrundgang zu bereits umgesetzten, laufenden und zukünftigen Sanierungsprojekten im Ortskern von Sunthausen. Zahlreiche historische Bauernhäuser wurden in den letzten Jahren saniert. Gleichzeitig wurde deutlich, dass im Ortskern weiterhin Potenziale für die Innenentwicklung bestehen.
Auch Bauherren berichteten über ihre Erfahrungen mit der Sanierung historischer Gebäude. Eine solche Investition erfordert gute Planung und ausreichend Zeit. Zugleich kann die ELR-Förderung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Sanierungsprojekte umzusetzen. „Wir würden es wieder machen, aber etwas mehr Puffer einplanen“ und „Die ELR-Förderung war ausschlaggebend für die Investition", so das Stimmungsbild.
Drei größere ELR-Projektanträge für 2027
Rüdiger Stehle vom Büro Stehle stellte im Bürgersaal für drei Projekte ELR-Anträge für das Jahr 2027 vor. Vorgesehen sind:
- die Modernisierung eines historischen Bauernhauses in Sunthausen mit Schaffung einer zusätzlichen Wohnung,
- der Neubau eines Wohnhauses an ortsbildprägender Stelle im Ortskern von Öfingen mit drei Wohneinheiten sowie
- die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes in Unterbaldingen mit vier neuen Wohneinheiten und einer Betriebserweiterung.
Insgesamt können dadurch neun Wohnungen geschaffen beziehungsweise wieder bewohnbar gemacht werden.
Seit 2020 wurden und werden in Bad Dürrheim mehr als 40 Projekte mit insgesamt über 2,6 Millionen Euro ELR-Mitteln gefördert. Für Eigentümer und Bauherren besteht weiterhin die Möglichkeit einer kostenlosen Antragsberatung. Eine frühzeitige Beratung kann helfen Fördermöglichkeiten rechtzeitig zu prüfen und die Antragstellung gut vorzubereiten. Gefördert werden können Wohnprojekte in den Ortskernen sowie den Siedlungsflächen aus den 60er-Jahren und aus den 70er-Jahren, sofern diese an die Ortskerne oder die Siedlungsflächen der 60er-Jahre angrenzen. Das ELR und die Bundesförderung für effiziente Gebäude sind kombinierbar.
Baulücken und Leerstände bieten Potenziale
Um die Aktivierung von Baulücken und Leerständen weiter voranzubringen, hat die Stadt Bad Dürrheim im Sommer 2026 erneut die Eigentümer mit einem Fragebogen angeschrieben und über Beratungsangebote informiert. Davor erfolgten Anschreiben im Frühjahr 2023.
Michael Weber vom IfSR Institut für Stadt- und Regionalentwicklung stellte die Ergebnisse der Eigentümeransprache vor. 2026 wurden Eigentümer von 91 Baulücken angeschrieben. 2023 gab es 103 Baulücken, manche wurden inzwischen bebaut. Einige Grundstücke sind zwischenzeitlich vererbt worden. In drei Fällen wurden Bebauungsabsichten geäußert, 27 Grundstücke sollen für Nachkommen bevorratet werden. In sechs Fällen wurde Verkaufsbereitschaft signalisiert, teilweise aber mit hohen Preisvorstellungen. In acht Fällen gab es Beratungswünsche.
Weiter wurden die Eigentümer von 68 Leerständen (Wohngebäuden ohne Wohnsitzanmeldung) angeschrieben. Darunter befanden sich zahlreiche Erbengemeinschaften. Seit 2023 wurden 20 Leerstände aktiviert, 26 neue Leerstände kamen hinzu. Bei zahlreichen Objekten handelt es sich um Althofstellen. Teilweise sind Leerstände benachbart. In 14 Fällen wird ein Verkauf erwogen und in vier Fällen erfolgt eine Aktivierung. In acht Fällen wurde eine Beratung erwünscht. Hier zeichnet sich ab, dass für die Aktivierung von weiteren Projekten die ELR-Förderung wesentlich sein wird.
Der Rücklauf bei der Befragung liegt sowohl bei den Baulücken als auch bei den Leerständen bei knapp 50 %. Aus dem Forum Innenentwicklung wurde angeregt, Eigentümer, die bislang noch nicht geantwortet haben, nochmals anzuschreiben. Die Ortsvorsteherschaft unterstützt dies.
Aktivierung weiterer innerörtlicher Potenziale für zusätzlichen Wohnraum
In der Kernstadt entstehen derzeit in der Scheffelstraße, in der Ziegelstraße und in der Adlerstraße mehr als 30 geförderte Wohnungen mit Mietpreisbindung. Die Stadt kann dafür eine Prämie aus der Landeswohnraumförderung von 2.000 Euro pro Wohnung für Aktivitäten in der Innenentwicklung in Anspruch nehmen.
Mit Vertretern der Kirchen wurden Gespräche über die mögliche Entwicklung von Grundstücken für den Wohnungsbau geführt. Dabei haben sich erste Ansätze ergeben.
Wohnangebote für Ältere
Die Zahl älterer Menschen in Bad Dürrheim ist hoch, dies ist für einen Kurort mit einem attraktiven Gesundheitsangebot aber nicht ungewöhnlich. Bad Dürrheim hat viele große Wohneinheiten, die nur von 1 bis 2 Personen bewohnt werden. Mehr als 1.300 Ein- und Zweipersonenhaushalte wohnten laut Zensus 2022 in Häusern und Wohnungen mit fünf und mehr Räumen. Manchem wird eine zu große Immobilie mit Barrieren auch zur Last. Attraktive, barrierefreie Wohnangebote können den Veränderungswunsch fördern. Dadurch können zugleich größere Wohnungen oder Häuser für Familien frei werden. Im Forum Innenentwicklung wurden verschiedene seniorengerechte Wohnprojekte vorgestellt. Vertreter im Forum Innenentwicklung sehen die Relevanz für solche Projekte in der Kernstadt und in größeren Stadtteilen. Das Thema wird weiterverfolgt.
Bauturbo
Alfred Ruther-Mehlis, Professor für Stadtplanung vom IfSR, informierte zum sogenannten „Bauturbo“, der durch die Änderung des Baugesetzbuchs vor einem Jahr in Kraft ist. Der Gesetzgeber verfolgt dabei das Ziel, Bauen zu vereinfachen und zu beschleunigen, die Handlungsmöglichkeiten für Gemeinden zu flexibilisieren und zu stärken, die Innenentwicklung zu fördern und die Versorgung von Wohnraum zu verbessern. Die verschiedenen Möglichkeiten des Bauturbos wurden vorgestellt. Zwingende Voraussetzung ist die Zustimmung der Gemeinde unter Würdigung nachbarlicher Interessen und Vereinbarkeit mit öffentlichen Belangen. Gleichzeitig wurden mögliche negative Wirkungen aufgezeigt, wenn eine Gemeinde wenig verantwortungsvoll mit den neuen Handlungsmöglichkeiten umgeht. Der Bauturbo kann zum Beispiel auch zu einer Schwächung der Planungshoheit durch Einzelfallenscheidungen und zu zusätzlichen Nachbarschaftskonflikten führen.
So gesehen bedarf es einer nachhaltigen Planungsperspektive über eine künftige bauliche Entwicklung, die einzelfallbezogen erleichterte Lösungsansätze bietet, ohne jedoch Präzedenzfälle zu schaffen und gegebenenfalls unterstützt durch den Erlass einer städtebaulichen Leitlinie.
Weitere Informationen und Kontakt:
Weitere Informationen zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten der Innenentwicklung finden Sie hier:
https://www.badduerrheim.de/Stadt-Buerger/Wirtschaft-Wohnen/Innenentwicklung
Gerne beraten wir Sie persönlich über Bebauungs- und Nutzungsmöglichkeiten sowie über Fördermöglichkeiten. Kostenlose und unverbindliche Beratungstermine können vereinbart werden bei:
- Olivia Link, Stadtverwaltung Bad Dürrheim, Telefon 07726 666-612, [email protected] oder
- Michael Weber, IfSR Institut für Stadt- und Regionalentwicklung, Telefon 07022 250 445, mobil 0172 7300661, [email protected].
- ELR: Rüdiger Stehle, Telefon 07424 960 8022, [email protected].