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Heute vor 95 Jahren, am 05.09.1931: Die Saalschlacht im Deutschen Haus

Heute vor 95 Jahren, am 5. September 1931, wurde das „Deutsche Haus“ in St. Georgen zum Schauplatz einer schweren politischen Auseinandersetzung. Bei einer nationalsozialistischen Versammlung eskalierte während der Diskussion die Situation – es kam zu einer regelrechten Saalschlacht.


Das Datum des Ereignisses lässt sich aus den zeitgenössischen Berichten erschließen: Der „Brigach-Bote“ und der „Volkswille“ berichteten am 7. September 1931 über die Versammlung, die am Samstagabend stattgefunden hatte. Der Samstag war der 5. September 1931.


Auslöser war ein Zwischenruf des St. Georgener Formers Ludwig Müller: „Hitler verrecke!“ Der NSDAP-Redner, Reichstagsabgeordneter Rupp, verlangte daraufhin den Mann aus dem Saal zu bringen. Was folgte, war eine massive Prügelei. Mit Stühlen und Flaschen wurde aufeinander eingeschlagen, Gläser und Flaschen flogen durch den Saal. Rund 20 Menschen wurden verletzt, Müller erlitt eine schwere Schädelverletzung. Einige Besucher flohen in ihrer Not sogar durch die Fenster.


Das Ausmaß der Zerstörung war erheblich: 30 massive Stühle waren demoliert, acht Fensterscheiben eingeschlagen und mehr als 100 Biergläser zertrümmert. Am nächsten Morgen mussten drei volle Waschkörbe mit Glasscherben weggetragen werden.


Die damaligen Zeitungsberichte schildern den Vorfall aus deutlich unterschiedlichen politischen Perspektiven. Gerade dieser Gegensatz macht die Quellen interessant: Der „Brigach-Bote“ berichtet vergleichsweise nüchtern über den Ablauf, während der sozialdemokratische „Volkswille“ den Vorfall deutlich als nationalsozialistische Provokation und Ausdruck des zunehmenden politischen Terrors wertet.


Nur knapp eineinhalb Jahre später wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Saalschlacht im „Deutschen Haus“ steht damit in einer Zeit zunehmender politischer Gewalt, die die letzten Jahre der Weimarer Republik prägte.


Heute erinnert die Geschichte des Gebäudes nicht nur an diesen Abend im September 1931. Gut zehn Jahre später sollte derselbe Saal eine völlig andere Rolle im nationalsozialistischen Herrschaftssystem spielen: Ab 1942 wurde er als Werkskantine für ausländische Zwangsarbeiter und Ostarbeiter genutzt.


Das „Deutsche Haus“ erzählt damit auf besondere Weise von den Brüchen der deutschen Geschichte zwischen Weimarer Republik und NS-Diktatur.


Quellen:

Brigach-Bote, „Tagesneuigkeiten“, St. Georgen, 7. September 1931, S. 18.

Volkswille, Nr. 206, 7. September 1931, S. 17, „Saalschlacht in St. Georgen“.

SÜDKURIER, Ausgabe St. Georgen/Tennenbronn, 5. Dezember 2006, S. 21, „Rudis Rückblick“.

Kreisarchiv-Bestand: Unterlagen zur Trägerorganisation der Ostarbeiter-Unterbringung in St. Georgen.



Das Bild (privat) entstand später, anlässlich eines Trachtenumzugs der durch die Gerwigstraße, vorbei am Deutschen Haus führte.

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Das dritte Reich und wir veröffentlicht.