Collagebild 1Collagebild 2

Erinnerungsarbeit und Gedenken sind wichtiger denn je

Erneut hat das Projekt „Das Dritte Reich und wir“ des Vereins für Heimatgeschichte in Zusammenarbeit mit der „Arbeitsgruppe NS-Opfer Königsfeld“ zu einer Bildungsreise eingeladen. Auf dem Programm standen in diesem Jahr ein Besuch der Gedenkstätte Eckerwald und nochmal ein Besuch der Gedenkstätte und des Dokumentationszentrums Grafeneck.


Erneut hat sich eine Gruppe von 26 Personen zusammengefunden, die gemeinsam die beiden Orte besucht hat. Passend war die nasskalte Witterung für den Besuch im Eckerwald, wo die Gruppe von Gerhard Lempp, Mitglied der Initiative Gedenkstätte Eckerwald, erwartet wurde. Das trübe Wetter vermittelte nur zu gut einen Eindruck von der körperlich und mental schwierigen Situation, in der sich die zur Schwerstarbeit gezwungenen Häftlinge befunden haben mögen.


Lempp gab zunächst eine kleine Einführung in die Operation mit dem Decknamen „Wüste“, bei der in den letzten beiden Kriegsjahren im Vorland der Schwäbischen Alb zehn Produktionsanlagen mit sieben dazugehörigen Konzentrationslagern geplant und gebaut wurden. Der Eckerwald gehörte zum Projekt „Wüste 10“. Bei der Operation „Wüste“ versuchte man, aus Schiefergestein Öl zu gewinnen, um die Treibstoffkrise zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu beheben. Es war ein erfolgloser Versuch.


Die Konzentrationslager waren allesamt Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof im Elsass. Die Häftlinge kamen überwiegend aus dem politischen Widerstand der besetzten Länder Europas. Die Zustände im vier Kilometer entfernten Lager Schörzingen waren katastrophal. Täglich wurden etwa 500 Häftlinge für den Aufbau von „Wüste 10“ zur Sklavenarbeit getrieben. Über 500 Menschen starben in diesem Lager. Die Produktionsstätte wurde nie fertiggestellt.

Im Anschluss führte Lempp die Gruppe über den Gedenkpfad und erläuterte den Anwesenden auch die vom Künstler Siegfried Haas geschaffenen Kunstwerke. Sehr eindrücklich war das Mahnmal mit dem Titel „Der Gefangene“.


Nach diesem Besuch ging die Fahrt für die kleine Reisegruppe weiter nach Zwiefalten. Nach einer Stärkung bei einem guten Mittagessen vor Ort gab es einen kurzen Besuch im Münster, wo Gunther Schwarz, Mitglied der Arbeitsgruppe aus Königsfeld, eine Einführung gab.


Anschließend ging die Fahrt weiter nach Grafeneck, wo die Gruppe von Referent Rudi Wieserwa-Gerst in Empfang genommen wurde. In einer etwa 60-minütigen Einführung erfuhren die Teilnehmer alles über die Aktion T4, die ihren Namen von dem Ort erhielt, an dem sie beschlossen wurde: Tiergartenstraße 4 in Berlin. Sehr informativ wurden die Fakten rund um das Tötungsprogramm der Nationalsozialisten und dessen Durchführung im „Jagdschloss“ Grafeneck vermittelt.

Mit diesen Eindrücken und Informationen ging es im Anschluss über das Gelände, vorbei an dem nicht mehr vorhandenen Gebäude, in dem die Tötung von 10.654 Menschen durchgeführt wurde. Diese Menschen waren aufgrund ihrer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen von den Nationalsozialisten als nicht lebenswert und als Kostentreiber eingestuft worden. Wie perfide ausgeklügelt dieses Programm durchgeführt wurde, hat alle Mitreisenden sehr erschüttert.

Gemeinsam wurde die 1990 zum offenen Gedenken errichtete Kapelle besucht. Dort sahen sich die Teilnehmer auch das ausliegende Namensbuch an, in dem die Namen der Opfer festgehalten sind. Den Abschluss bildete der Besuch des dazugehörigen Dokumentationszentrums, in dem noch einmal alle Fakten rund um die Tötungsanstalt und das T4-Programm nachgelesen werden konnten.


Gegen 19 Uhr kehrte die Reisegruppe in den Schwarzwald zurück. Im Gepäck hatte sie viele Informationen und Eindrücke sowie die Gewissheit, dass Erinnerungsarbeit und das Gedenken an die Opfer, die auch aus Königsfeld und der Bergstadt stammten, mehr denn je gefordert sind, um sicherzustellen, dass sich solche Ereignisse niemals wiederholen.

Sowohl das Bergstädter Projekt „Das Dritte Reich und wir“ als auch die Arbeitsgruppe aus Königsfeld arbeiten aktuell die Umstände und Auswirkungen des Nationalsozialismus in ihren jeweiligen Heimatgemeinden auf und möchten ihren Beitrag zur lokalen Erinnerungsarbeit an die Opfer von Euthanasie und Zwangsarbeit leisten. Im Fall von St. Georgen ist eine weitere Veröffentlichung geplant, in der neben anderen Themen auch diese Aspekte behandelt werden.


Bild 1 Gedenkpfad Eckerwald "Wüste 10" / Bild Scholz

Bild 2 Gedenkstätte Grafeneck / Bild Scholz

Dieser Beitrag wurde in der Gruppe Das dritte Reich und wir veröffentlicht.